Immer mehr Velofahrerinnen und Velofahrer nutzen die Möglichkeit der Velomitnahme in Zügen. Das wiederum stellt die Bahnen vor grosse Herausforderungen: Sie wollen den Kundinnen und Kunden genügend Velo- und Gepäckflächen zur Verfügung stellen, doch die Platzbedürfnisse ändern sich je nach Uhrzeit, Wochentag oder Saison. Was stets gleich bleibt, ist die Innenausstattung der Züge.
Genau da hat das Projekt «Innovative Flächenbewirtschaftung im Zug» (IFiZ) der SOB angesetzt. Zusammen mit der Firma Erfindergeist aus Rorschacherberg hat sie ein Abteil entwickelt, dessen Sitze in der Grundstellung wie jene eines klassischen Viererabteils aussehen, jedoch kann dieses mit wenigen Handgriffen zur Stellfläche für Velos und Gepäck umgewandelt werden. Um das flexible Abteil im Betrieb zu erproben, rüstete die SOB einen Flirt-Zug damit aus, der während eines Jahres hauptsächlich im Regionalverkehr und teilweise auch im Fernverkehr im Einsatz war.
Die Kundinnen und Kunden der SOB wurden von Beginn weg in das Projekt einbezogen und dazu eingeladen, mittels QR-Code, Online-Umfragen oder auch im persönlichen Gespräch Rückmeldung zum flexiblen Abteil zu geben. Ziel war, das flexible Abteil zusammen mit den Nutzerinnen und Nutzern weiterzuentwickeln und möglichst gut auf deren Bedürfnisse abzustimmen. Die Beteiligung war erfreulich, die Rückmeldungen konstruktiv und mehrheitlich positiv.
Folgeprojekt «IFiZ+»: Ausstattung einer Teilflotte mit flexiblen Abteilen
Die SOB ist überzeugt vom Potenzial des Projekts und führt es deshalb weiter. Ab Sommer 2026 rüstet sie eine Teilflotte von zwölf Traverso-Zügen mit jeweils vier flexiblen Abteilen aus. So soll die mittlerweile serienreife Lösung einem breit angelegten Markttest unterzogen werden – neben dem Regionalverkehr (insbesondere Voralpen-Express) auch auf den Fernverkehrslinien.
«Im Zentrum steht die betriebliche Erprobung: Wir wollen Erfahrungen im täglichen Einsatz sammeln – mit unseren Mitarbeitenden ebenso wie mit unseren Kundinnen und Kunden», sagt Cyrill Zemp, Projektleiter IFiZ. «Uns interessiert, wie sich die flexiblen Abteile im Betrieb bewähren, wie sie genutzt werden und welche Anforderungen sich daraus für mögliche Weiterentwicklungen ergeben.»
Die Rückmeldungen der Fahrgäste und des Zugpersonals aus der Pilotphase sind in die Weiterentwicklung der flexiblen Abteile eingeflossen. So verfügen die Module nun zum Beispiel über Armlehnen, zudem wurden die Handhabung und Konstruktion vereinfacht.
Video-Objekterkennung soll Planung unterstützen
Begleitend dazu treibt die SOB die Video-Objekterkennung voran, um das Velo- und Gepäckaufkommen besser abschätzen zu können. Ziel ist es, Muster beim schwankenden Velo- und Gepäckvolumen frühzeitig zu erkennen, etwa in Bezug auf Wochentage, Uhrzeiten, Wetter oder Ferienzeiten. Solche Daten sollen helfen, die optimale Konfiguration der flexiblen Module auf den Zügen bestmöglich vorauszusehen und die Planung entsprechend zu verbessern. Schliesslich möchte die SOB die vorhandenen Flächen im Zug möglichst optimal nutzen und den Kundinnen und Kunden auch bei wechselnder Nachfrage ein passendes Angebot bereitstellen.
Innovative Lösung für die gesamte Branche
Die Innovation stösst in der Bahnbranche auf grosses Interesse. Die aus dem Pilotprojekt und dem erweiterten Markttest gewonnenen Erkenntnisse sollen dereinst der gesamten Branche zur Verfügung gestellt werden, damit alle davon profitieren können.
Text: Medienstelle SOB, aktualisiert im Juni 2026
Bild: SOB