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SOB als Vorreiterin: Allianzmodell für Grossprojekte

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Die Südostbahn setzt neue Massstäbe im Bahnsektor. Mit einem Allianzmodell will sie Grossprojekte effizienter, kooperativer und nachhaltiger gestalten. Das Pilotprojekt wird mit der Erneuerung des Doppelspurabschnitts Samstagern–Schindellegi erprobt.

Grosse Bauprojekte im Bahnbereich sind hochkomplex. Zahlreiche Akteure wie interne Projektteams, externe Planer, Lieferanten und Dienstleister müssen effizient zusammenarbeiten. In der Praxis prallen jedoch oft unterschiedliche Interessen aufeinander: Die Bauherrschaft verlangt Normtreue, Dienstleister streben wirtschaftlichen Erfolg an. Diese Zielkonflikte können durch Nachforderungen, Risikoverlagerungen und Ressourcenbindung zu negativen Folgen für Effizienz und Zusammenarbeit führen.

Projektallianz als Lösung: Kooperation statt Konfrontation
Das SIA-Merkblatt 2065 liefert praxisnahe Empfehlungen für Projektallianzen und wird nun auch im Bahnsektor erprobt. Ziel ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit, in der die Bauherrschaft, Planer und Unternehmer als gleichberechtigte Partner agieren. Gemeinsame Projektziele, die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten und geteilte Risiken sollen Konflikte reduzieren und die Umsetzung optimieren. Durch die frühzeitige Beteiligung wichtiger Partner und die Ausrichtung ihrer Interessen auf gemeinsame Projektziele wird eine kooperative Zusammenarbeit ohne Schuldzuweisungen gefördert und eine gemeinsame Risikoteilung ermöglicht. Die gebündelte Fachkompetenz führt zu ganzheitlicher und optimaler Umsetzung komplexer Projekte. Die SOB setzt dieses Modell erstmals im Projekt «Erneuerung Doppelspur Samstagern–Schindellegi» ein. Angesichts der Projektgrösse und -komplexität mit Sanierung von Fahrbahn, Unterbau, Entwässerung, Fahrleitung und Kunstbauten für knapp 40 Millionen Franken schien das Allianzmodell besonders geeignet. Die Umsetzung ist für 2027 bis 2030 geplant. Manfred Lanz, der das Projekt leitet und massgeblich an der Ausarbeitung des Projektallianzmodells für die Südostbahn beteiligt war, ist überzeugt: «Partnerschaftliche Modelle sind die Zukunft für Bahninfrastrukturprojekte. Die Südostbahn engagiert sich gemäss SIA-Merkblatt 2065 aus dieser Überzeugung heraus. Durch dieses Pilotprojekt möchten wir wertvolle Erfahrungen sammeln und das Projekt so effizient wie möglich realisieren.»

«Gemeinsam schaffen wir die Basis für nachhaltigen Erfolg und Innovation in der Bahninfrastruktur.»
Manfred Lanz, Projektleiter Fahrbahn

Submission mit Dialog: Ausschreibung neu gedacht
Die Ausschreibung der Projektallianz umfasste alle Planungs- und Realisierungsphasen gemäss SIA (Phasen 32 bis 53) und erfolgte im selektiven Verfahren mit Dialog, um zentrale Fragen mit den Anbietern zu klären, Projektoptimierungen zu ermöglichen und innovative Lösungen zu fördern. Zunächst wurden die Teilnahmeanträge (Präqualifikation) geprüft, bevor die drei besten Anbieter zu Dialogrunden eingeladen wurden. Diese erarbeiteten Optimierungen und boten durch unterschiedliche Ansätze wertvolle Impulse für das Projekt. Ende Dezember 2024 konnte nach einer intensiven und spannenden Submission der Zuschlag an die ausgewählten Projektpartner in der Allianz erteilt werden. Die Ausschreibung einer Projektallianz war ein Novum. Daher musste ein massgeschneiderter Allianzvertrag von Grund auf neu entwickelt und auf die Anforderungen des Projekts zugeschnitten werden, da zum Zeitpunkt der Submission keine Vorlagen oder Musterverträge für eine solche Projektallianz vorlagen. Manfred Lanz resümiert: «Der Vertrag war ein komplexer, aber lohnender Prozess. Darin legten wir die Grundlagen für eine innovative und effiziente Zusammenarbeit.»

Umsetzung in der Allianz: ein Team – ein Ziel
Seit Januar 2025 arbeitet die Projektallianz an der Detailplanung und Steuerung des Projekts. Kennzeichnend ist der frühe Einbezug der Baumeister bereits in der Projektierungsphase. In der neu gebildeten Projektallianz arbeiten die Bauherrschaft und die Realisierungspartner als integriertes Team zusammen. Die Zusammenarbeit wird im Organisationsreglement festgehalten. Die Allianz folgt einer dreistufigen Führungsstruktur, in der alle Partner – inklusive SOB als Bauherrin – vertreten sind. Entscheidungen erfolgen innerhalb der jeweiligen Ebene, bei Uneinigkeit auf der übergeordneten Stufe. So wird eine effiziente Entscheidungsfindung gewährleistet. Um eine lernende Organisation zu fördern, wurde die oberste Führungsebene dazu befähigt, Anpassungen selbst vorzunehmen. Der Grundsatz, dass kontinuierlich detaillierter geplant wird, bleibt bestehen, jedoch werden die Phasen in modifizierter Reihenfolge mit teilweise überlappenden Verläufen umgesetzt. So bespricht man beispielsweise den Einbau von Ingenieurbauwerken während einer Totalsperre bereits im Auflageprojekt zusammen mit dem ausführenden Baumeister. Dadurch kann der Gesamtprozess optimal auf alle Beteiligten ausgerichtet werden. Manfred Lanz ist zuversichtlich: «Ich freue mich darauf, das Projekt innerhalb der Projektallianz voranzutreiben und mitzuerleben, wie sich sowohl das Projekt als auch die Projektallianz adaptieren werden. In den eng getakteten Umbauphasen wie den Totalsperren können komplexe Arbeiten ausgeführt, die knappen Zeitfenster optimal ausgeschöpft und zugleich ein hohes Mass an Planungssicherheit gewährleistet werden.»

Ein Modell mit Zukunft?
Die SOB erhofft sich wertvolle Erkenntnisse für künftige Bahnprojekte. Gelingt das Pilotprojekt, könnte das Allianzmodell zum Arbeitsmittel für weitere Projekte avancieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: bessere Kostenkontrolle, höhere Effizienz, schnellere Umsetzung und nachhaltigere Planung. Die intensive Zusammenarbeit minimiert Konflikte, während Innovation und Optimierung gefördert werden. «Gemeinsam schaffen wir die Basis für nachhaltigen Erfolg und Innovation in der Bahninfrastruktur», erklärt Manfred Lanz.

Text: Brigitte Baur
Fotos: Hanspeter Schenk

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