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Die stille Hebemeisterin

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Im Service-Zentrum der Südostbahn in Samstagern wird seit fast 100 Jahren die Fahrzeugflotte instand gehalten. Um dies weiterhin effizient und sicher tun zu können, wurde das Service-Zentrum in zwei Etappen ausgebaut. Ein Kernelement des Ausbaus ist die neue Unterflurhebeanlage, die bereits seit einigen Monaten in Betrieb ist. Wie hat sich ihr Einsatz bewährt?

Ein durchdringender Signalton kündet es an: Die neue Unterflurhebeanlage im Service-Zentrum Samstagern – einem der beiden Instandhaltungsstandorte der SOB – wird sich in wenigen Augenblicken in Bewegung setzen. Der Einbau der neuen Anlage war das Kernelement der ersten Ausbauetappe im Service-Zentrum. Seit Ende März ist sie in Betrieb. So auch jetzt: Der Hebevorgang hat eingesetzt und geht fast geräuschlos vonstatten. Nur ein leises Summen deutet akustisch darauf hin, dass etwas vor sich geht. Optisch ist der Vorgang jedoch eindrücklich: Innert dreieinhalb Minuten hievt die imposante Anlage mit dem sperrigen Namen eine 150 Meter lange und 265 Tonnen schwere Traverso-Komposition auf 1,7 Meter über den Boden. Möglich machen dies zehn Hebestände, die sich über die ganze Länge der Unterflurhebeanlage verteilen und in viereinhalb Meter tiefen, überdeckelten Grubenabschnitten stehen. Dank der 10 fest eingebauten und 18 fahrbaren Wagenkastenheber können Zugkomponenten wie Radsätze und Drehgestelle schnell und – im Vergleich zu früher – mühelos gewechselt werden. Bisher mussten die Traverso-Züge beispielsweise für einen Radsatzwechsel aufwendig in der Hälfte getrennt werden, was einen grossen Mehraufwand mit sich brachte. Dank der neuen Anlage halbiert sich die benötigte Zeit für den Tausch der Radsätze einer Traverso-Komposition auf neu zwei Tage.

«Die Instandhaltung der Flotte während der Bauarbeiten aufrechtzuerhalten, war wegen der beschränkten Platzverhältnisse und der Etappierung sehr anspruchsvoll.»
Daniel Iten, Leiter betriebsnahe Instandhaltung

Die neue Unterflurhebeanlage bringt zahlreiche Vorteile

Auch wenn der Zeitgewinn ein klarer und wertvoller Mehrwert der neuen Anlage ist, fällt für den Leiter der schweren Instandhaltung im Service-Zentrum Samstagern, Thomas Reuteler, ein anderer Vorteil mindestens ebenso ins Gewicht: «Die Technik der Anlage befindet sich in Schächten, die abgedeckt sind, was die Arbeitssicherheit erheblich verbessert. So lässt sich die Unfallgefahr deutlich verringern – ein wesentlicher Aspekt», erklärt er. Zurück zum Traverso, der mittlerweile ein fast schon surreales Bild bietet: Die Radsätze sind demontiert, der Zug scheint über dem Boden zu schweben. Der Geruch von Reinigungsmittel und Fett liegt in der Luft. Roland Fuchs und Sepp Theiler sind dabei, an einem Drehgestell Instandhaltungsarbeiten vorzunehmen. Die beiden überprüfen die Dicke der Bremsbeläge, tauschen diese wenn nötig aus und bereiten die Achslenker für den Wiedereinbau neuer Radsätze vor. Nötig ist der Austausch der Bremsbeläge, wenn eine eigens zu diesem Zweck eingefräste Kerbe einen gewissen Abnutzungsgrad anzeigt. «Da die Bremsbeläge im Betrieb unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt sind, lässt sich ihr Ersatz nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt festlegen», erläutert Sepp.

Damals und heute

Wie erleben die beiden die Arbeit mit der neuen Anlage? «Die Arbeit ist anders als früher. Sehr angenehm und viel weniger anstrengend», sagt Roland. Sepp pflichtet ihm bei: «Ich bin sehr froh, dass wir nun diese Anlage haben. Abends spüre ich die Arbeit körperlich nicht mehr so stark.» Dass beide betonen, wie viel einfacher und körperlich leichter die Arbeit dank der neuen Hebeanlage geworden ist, verwundert nicht. Früher waren vergleichsweise unkomplizierte Arbeiten wie das Überprüfen der Bremsbeläge relativ mühsam, da sie in unbequemer Körperhaltung mit nach oben gerichtetem Blick durchgeführt werden mussten. Dank der Unterflurhebeanlage befinden sich die meisten der zu bearbeitenden Stellen an den Zügen in Augenhöhe und sind viel besser zugänglich. Ganz zu schweigen vom Aufwand für einen Drehgestellwechsel: Nebst der Arbeit an sich, die wesentlich unkomplizierter zu bewältigen ist, gibt es auch bei der Materialbereitstellung eine deutliche Vereinfachung: Früher musste das Material mit einem Lift in die Grube gebracht und von dort aus montiert werden. Heute kann man dieses ebenerdig zum betreffenden Zugabschnitt fahren und in stehender Position vom Rollwagen aus direkt verbauen. Kurz und gut: Die Arbeitsergonomie hat sich dank der Unterflurhebeanlage in jeder Hinsicht deutlich verbessert.

«Die Arbeit ist anders als früher. Sehr angenehm und viel weniger anstrengend.»
Roland Fuchs, Fachspezialist Instandhaltung

Bauarbeiten der zweiten Etappe: Instandhalten und Bauen unter einem Dach

Von weiter drüben in der Halle dringen laute Baugeräusche zu uns hinüber. Die Arbeiten der zweiten Bauetappe sind nach wie vor in vollem Gang. Der Ausbau des Service-Zentrums Samstagern wurde in zwei Etappen unterteilt, weil auch während der laufenden Bauarbeiten ein Teilbetrieb der Flotteninstandhaltung gewährleistet sein musste. Ein schwieriges Unterfangen, wie Daniel Iten, Leiter der betriebsnahen Instandhaltung im Service-Zentrum und zukünftiger Nutzer der Neubauhallen, ausführt: «Die Instandhaltung der Flotte während der Bauarbeiten aufrechtzuerhalten, war wegen der beschränkten Platzverhältnisse und der Etappierung sehr anspruchsvoll.» Es habe auch Arbeiten gegeben, die während der ersten Bauetappe im Service-Zentrum nicht ausgeführt werden konnten. Beispielsweise konnten keine Dachkomponenten am Traverso gewechselt werden. Dies musste das Service-Zentrum Herisau, der zweite Instandhaltungsstandort der SOB, übernehmen. «Unsere Kolleginnen und Kollegen in Herisau haben uns während der Bauzeit hervorragend unterstützt. Sonst wäre der Flottenunterhalt nicht in dieser Form möglich gewesen», betont Daniel.

Elemente, die die Arbeiten auf den Zugdächern einfacher machen

Mit dem Abschluss der ersten Bauetappe hat sich die Situation entspannt. Das Ende der Bauarbeiten ist ebenfalls in Sicht: Per Ende 2025 sollen sie abgeschlossen werden. Kernelemente der zweiten Bauetappe sind der Einbau von zwei Hallenkränen sowie die beiden neuen Dacharbeitsbühnen, die direkt an den Zug anfahren können. Beide Elemente werden die Arbeiten auf den Zugdächern einfacher und bequemer machen: Heutzutage, wo sich viele der zu wartenden Komponenten auf den Dächern der Züge und nicht mehr unter den Wagenkästen befinden, eine willkommene Optimierung.

Weitere Impressionen zur Unterflurhebeanlage erhalten Sie hier.

Text: Franziska Frey
Fotos: Franziska Frey, Manuela Matt

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Zeitraffer Teilausbau Service-Zentrum Samstagern

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