Die Redundanz entsteht durch eine Absicherung auf mehreren Ebenen – eine davon ist das nationale Datennetz Datacom der SBB, das sämtliche Systeme der Bahnproduktion miteinander verbindet. Lukas Graf hat ein Herz für akribische Planung und er sowie seine Kollegen haben Terminierung im Blut. Doch auch offene Ohren, wachsame Augen und Weitsicht zeichnen den Projektleiter und seine Kollegen aus: Während die Bauarbeiten an der Gemeindestrasse neben dem neuen Gebäude liefen, sorgte Lukas kurzerhand gemeinsam mit dem Bauunternehmer dafür, dass ein Rohr unter der Strasse verlegt wurde. So ist sichergestellt, dass beim bevorstehenden Ausbau des Service-Zentrums in Herisau künftig ein neuer Trafo beim Bahngleis den Zugang zum Bahnstrom gewährleisten kann. Denn der aktuell genutzte Trafo im Service-Zentrum, der den Bahnstrom umwandelt und in das Gebäude der neuen Betriebszentrale einspeist, muss mittelfristig ersetzt werden.
Störungsquellen: Staub und Mäuse, Feuer und Wasser
Damit die Technik im Hintergrund zuverlässig arbeiten kann, muss der Technikraum vor allen möglichen Störungsquellen geschützt sein. Auch Staub ist problematisch: Er soll sich weder auf Geräten ablagern noch in die elektronischen Komponenten gelangen. Darum wurde der Raum vor dem Bezug gründlich gereinigt. Eine spezielle Luftführung sorgt für die Kühlung der Geräte und hält auch Staub fern. Die Luft strömt dabei vom Boden aufwärts und wird durch Abdeckungen gezielt über die technischen Geräte geleitet – so entsteht eine stabile Kältezone, die zuverlässig vor Überhitzung schützt. Doch nicht nur «Staubmäuse» sind eine Gefahr: Auch echte Mäuse könnten Kabel oder Leitungen beschädigen – darum gehören auch Mäusefallen zur Standardausstattung. Hinzu kommen Brand- und Wasserschutz: Der Raum ist mit einer modernen Brandmeldeanlage ausgestattet. Im Ernstfall sorgt eine Gaslöschanlage dafür, dass der Sauerstoff in der Luft reduziert wird – so kann ein Feuer gar nicht erst entstehen. Damit Probleme frühzeitig erkannt werden, gibt es zusätzlich eine Absaugeinrichtung in den Netzwerkschränken. Sie überwacht ständig die Luftqualität und schlägt Alarm, sobald eine Veränderung festgestellt wird. Auch Wasserleitungen sind so angelegt, dass sie den Technikraum nicht gefährden.
Am Puls des Bahnbetriebs – ein Übergang ohne Unterbruch
Aus technischer Sicht gab es für die SOB keinen fixen Umzugstermin, da die neue Betriebszentrale im Gebäude der Appenzeller Bahnen parallel aufgebaut wurde. Der Zeitpunkt für den Umzug war ideal, weil viele Geräte das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten und ohnehin ersetzt werden mussten. Bereits ein halbes Jahr zuvor begannen Lukas Graf als Projektleiter und die Technologen aus den Fachbereichen mit dem Aufbau der neuen Zentrale. Auch die ICT-Techniker waren massgeblich am Umzug beteiligt: So installierten sie beispielsweise die Technik im gemeinsam genutzten Sitzungszimmer mit den Appenzeller Bahnen und statteten die PCs für das SOB-Netz mit sämtlichen Anwendungen aus. Starke Teams, die sich aus dem Arbeitsalltag bestens kennen, zogen gemeinsam an einem Strang und arbeiteten Hand in Hand. Damit die Inbetriebnahme reibungslos verlief, hatten die Mitarbeitenden der Betriebszentrale in Zusammenarbeit mit der ICT sämtliche Systeme im Vorfeld getestet. Der endgültige Übergang erfolgte mit gutem Grund am 3. September 2025, einem Mittwochmittag: Zu diesem Zeitpunkt waren alle Beteiligten aus den verschiedenen Bereichen am besten erreichbar und dieser Termin ermöglichte eine gute Vor- und Nachbereitung. Die Zugverkehrsleiter/-innen des Ost- und Südnetzes der SOB sowie der Schichtleiter übergaben ihren Dienst telefonisch und so übernahm die neue Schicht ihren Einsatz direkt am neuen Standort. Ignaz Auer, Leiter Betriebszentrale, resümiert: «Die Betriebszentrale Herisau orchestriert das SOB-Netz für den nächsten Lebenszyklus in neuen, modernen Räumlichkeiten.» Während des Umzugs waren aus Sicherheitsgründen keine Streckensperrungen und auch keine Fahrleitungsschaltungen möglich. Zudem ist die Betriebszentrale mit einem analogen Telefon ausgerüstet, sodass die Erreichbarkeit jederzeit gewährleistet bleibt – selbst dann, wenn die digitale Betriebstelefonie einmal ausfallen sollte.