Im Frühjahr 2024 wurden vom Verband öffentlicher Verkehr (VöV) und dem Bundesamt für Verkehr (BAV) die D RTE 28100 «Nachweisführung Datennetze – Safety und Security» veröffentlicht. Sie unterstützt mit umfangreichen Erläuterungen und Vorlagen den Bahnbetreiber bei der Nachweisführung, damit ihre Datennetze sowohl in Sachen Safety (Betriebssicherheit) als auch Security (Schutz vor Angriffen) den hohen Standards genügen.
Ein Pilotprojekt mit Signalwirkung
Als erste Bahn wagten die Appenzeller Bahnen den Schritt: Gemeinsam mit dem BAV vereinbarten sie im September 2023, ihr OT-Datennetz einem vollständigen Typenzulassungsprozess nach D RTE 28100 zu unterziehen – ein Novum in der Schweiz!
Gefragt war damit nicht nur technisches Know-how, sondern auch Projektleitungskompetenz und Fingerspitzengefühl. André Rüegg, Ressortleiter Kundengeschäft der SOB, wurde von den Appenzeller Bahnen als Fachmann angefragt. Mit seiner ausgewiesenen Erfahrung in den Prozessen mit dem BAV, fachbereichsübergreifenden Projekten und Fachkenntnissen der zu übertragenden Technologien übernahm er die Rolle des Projektleiters und Safety Managers.
Seine Aufgabe: den gesamten Ablauf von der Erstellung des Projektplans über den Safetyplan und die Überprüfung der einzelnen Applikationen bis hin zum Typenzulassungsprozess zu begleiten. André Rüegg koordinierte die Arbeiten, führte Nachweise, prüfte die Prozesse und stellte sicher, dass alle Anforderungen der neuen Richtlinie erfüllt werden.
Schritt für Schritt zur Zulassung
Das Projekt gliederte sich in mehrere Phasen:
- Typenzulassungsverfahren (Dezember 2023 – August 2024): Erstellung des Pflichtenhefts und Einreichung des Gesuchs beim BAV
- Freigabeprozess (Januar – August 2024): Prüfung der Konformität der Anwendung Iltis, Erstellung der Risikobeurteilung und Verabschiedung des Safetyplans
- Zulassungsprozess (September – Dezember 2024): Abschlussgutachten, Betriebsbewilligung und finale Typenzulassung
Innerhalb von knapp eineinhalb Jahren wurde der Zulassungsprozess abgeschlossen – ein bemerkenswerter Erfolg für alle Beteiligten.
Technik und Verlässlichkeit
Kern des Projekts war die Migration des bestehenden Datennetzes auf eine neue, auf MPLS-TP-basierende Plattform. Über diese Plattform werden alle Arten von Applikationen transportiert, die für den Bahnbetrieb notwendig sind. Von der Anforderungsstufen «Basisintegrität» bis SIL4. Die Anforderungen: unterhaltsfreundlich, wartungsarm, robust und passgenau für die Betriebsbedingungen. Das Bahnleittechniksystem Iltis wurde dabei erfolgreich auf das neue Netz migriert. Die D RTE 28100 unterstützt bei der Beurteilung und Erstellung eines umfassenden Sicherheitskonzepts: Redundante Ringstrukturen, strikte Segmentierung, gesicherte Kommunikation und permanente Überwachung gehören ebenso dazu wie physischer Schutz und klar geregelte Zugangsrechte.
Mehrwert für die ganze Branche
Mit diesem ersten Projekt haben die Appenzeller Bahnen und die SOB gemeinsam Pionierarbeit geleistet. Das Beispiel zeigt, dass die neue D RTE 28100 nicht nur andwendbar ist, sondern auch einen echten Mehrwert für Sicherheit und Zukunftsfähigkeit bietet. Der erfolgreiche Abschluss ist für die Bahnbranche ein doppelter Gewinn: Erstens profitiert diese durch das wegweisende Projekt für zukünftige eigene Vorhaben. Und zweitens steht ihr mit dem Kundengeschäft der SOB ein kompetenter Partner mit ausgewiesenen Fachleuten im Bereich hochspezialisierter Infrastrukturthemen zur Verfügung.
