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Im Gespräch mit Thomas Albrecht: Gesamtprojektleiter Ausbau Service-Zentrum Samstagern

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Drei Fragen an Thomas Albrecht.

Die zeitliche Planung der beiden Bauetappen erschien sehr ehrgeizig: Für die erste Etappe war ein Jahr Bauzeit eingerechnet, für die zweite nur gut neun Monate. Konntet ihr die Termine einhalten?
TA: 
Ja. Ausser bei einem Teil der ersten Etappe: Da hatten wir ursprünglich eine kürzere Zeitspanne eingeplant, die wir jedoch aus logistischen Gründen nicht ganz einhalten konnten. Die Baustellenlogistik war aufgrund der beengten Platzverhältnisse eine grosse Herausforderung: Zeitweise war die Baustelle vergleichbar mit einem engen Kanal von knapp 15 Metern Breite und 80 Metern Länge, der nur von der Stirnseite bedient werden konnte. Weil das Gleis 3 im Bahnhof Samstagern während der Arbeiten mit den drei Baukränen aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste, konnte nur von 9 bis 16 Uhr mit dem Kran gearbeitet werden. Es musste also immer darauf geachtet werden, wer wo arbeiten kann und wie das Material zu- und weggeführt wird.

Was waren – abgesehen von der Logistik – die grössten Herausforderungen während des Baus?
TA: 
Der Einbau der Unterflurhebeanlage mit ihren bis zu siebeneinhalb Tonnen schweren Bauteilen hat sich als sehr schwierig herausgestellt. Rückblickend gesehen war dies wohl die grösste Knacknuss der gesamten Bauarbeiten. In der ersten Etappe wurden zudem viele Rühlwände (senkrechte Baugrubensicherungen) für die viereinhalb Meter tiefen Gruben erstellt. Dafür mussten sehr nahe an den noch in Betrieb stehenden Gebäudeteilen Bohrungen ausgeführt und die Wände selbst unmittelbar und zentimetergenau an Bestehendes gebaut werden. Der Innenausbau beinhaltete zahlreiche Elemente, die bis zu acht Meter über dem Boden angebracht wurden: Stromtrassen, Deckenheizung, Sanitärleitungen, aufziehbare Deckenstromschienen, die ganze Beleuchtung – das alles ist unter der Decke eingebaut. Für den Einbau dieser Elemente waren mehrere Hebebühnen notwendig, die gleichzeitig im Einsatz standen. Ihren Einsatz aufeinander abzustimmen und zu koordinieren, war eine planerische Herausforderung.

«Der Einbau der Unterflurhebeanlage war die grösste Knacknuss.»
Thomas Albrecht, Senior Projektleiter Immobilien

Was war für dich persönlich der grösste Höhepunkt?
TA: 
Das Wichtigste für mich ist, dass Bauarbeiten jeweils unfallfrei bleiben. Dass wir trotz straffen Terminplans alle Meilensteine erreicht haben und dem Bereich Transport eine zeitgemässe Halle zur Verfügung stellen können, freut mich sehr. Zu meinen persönlichen Höhepunkten gehört auch, dass wir die neue PV-Anlage mit 430 Kilowattpeak Leistung pünktlich per Ende August 2025 in Betrieb nehmen konnten. Zusammen mit der bereits bestehenden Anlage produzieren wir damit so viel Strom, wie wir am Standort Samstagern verbrauchen.

Text: Franziska Frey

Foto: Brigitte Baur, Manuela Matt

Zahlen und Fakten zum Service-Zentrum Samstagern

Umfassende Erneuerung des Service-Zentrums
Innerhalb von nur zwei Jahren hat die SOB ihr Service-Zentrum in Samstagern ausgebaut und für einen effizienten Unterhalt ihrer gesamten, rund 70 Züge umfassenden Fahrzeugflotte fit gemacht. Die neu gebaute Werkstatthalle weist mit einer Höhe von 9,4 Metern, einer Breite von 29 und einer Länge von fast 165 Metern imposante Ausmasse auf. Sie verfügt über drei Gleise von je 160 Metern und ein Gleis von 80 Metern Länge. Ihr Gesamtvolumen beläuft sich auf gut 45000 Kubikmeter, was ungefähr jenem von 120 Vierzimmerwohnungen entspricht. Auch die Gesamtzahl an Fensterflächen ist eindrücklich: Sie beträgt 530 Quadratmeter. Insgesamt wurden für die neue Halle 1050 Tonnen Armierungs- und Baustahl verbaut.

Ebenfalls notwendig: Anpassungen im Gleisvorfeld
Ein weiterer Bestandteil des Ausbauprojekts war das Gleisvorfeld, das an die neue Halle angepasst werden musste. Zudem wurden die Anlagen der Bahnstromversorgung – beispielsweise die Strommasten – im Gleisvorfeld komplett erneuert.

Insgesamt zwei Jahre Bauzeit
Die Bauarbeiten an der ersten Etappe wurden Mitte November 2023 aufgenommen, ein Jahr später konnten sie beendet werden. Die zweite Bauetappe wurde per Ende 2025 abgeschlossen. Während der Hauptbauzeit waren auf der Baustelle zwischen 40 und 50 Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter im Einsatz, zu den Nebenzeiten rund 25. Gekostet hat der Ausbau des Service-Zentrums rund 35 Millionen Schweizer Franken.

Kernelemente ermöglichen effizienteres Arbeiten
Kernelemente der Werkstatthalle bilden die Unterflurhebeanlage, zwei Hallenkräne, zwei anfahrbare Dacharbeitsbühnen sowie aufziehbare Deckenstromschienen. Diese ermöglichen ein ungehindertes und sicheres Arbeiten auf dem Dach und mit den Hallenkränen. Üblicherweise werden Fahrstromschienen weggeschwenkt und nicht aufgezogen. Der Bau einer Wegschwenkanlage wäre im Service-Zentrum Samstagern wegen der einwirkenden Torsionskräfte schwierig gewesen. Um diesen Kräften standzuhalten, hätten die Stützen verstärkt werden müssen. Deshalb wurde nach einer anderen Lösung gesucht, die in Form einer Aufziehversion gefunden wurde. In diesen Dimensionen ist es die erste solche Anlage, die in der Schweiz im Einsatz ist.

Merken:
Am 30. Mai 2026 lädt die SOB zum Tag der offenen Tore in Samstagern ein. Weitere Informationen werden Anfang 2026 veröffentlicht.

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