In wenigen Tagen beginnt das von Schwingfans lange erwartete Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 (ESAF). In diesem Jahr greifen Giger, Räbsamen und Co. in Mollis zusammen. Die Transportunternehmen sind bestens gerüstet, um die Besucherinnen und Besucher rechtzeitig zum festlichen Einzug der Schwinger ins Glarnerland zu bringen.
Vom 29. bis 31. August liegt über den Glarner Alpen der Duft von Sägemehl – ein Erlebnis für Gäste aus nah und fern. Bis zu 300 000 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgen dafür, dass die Glarnerland-Arena «bebt – z’Füür brännt». Die Bahnbranche beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit diesem Grossanlass. Andreas Leonhardt, Fachspezialist Transportplanung, gibt Einblick in die Extrazug-Planung einer solchen Grossveranstaltung.
Andreas, das ESAF 2025 steht für dich nicht erst seit diesem Jahr auf der Tagesliste. Seit wann beschäftigt dich dieser Anlass?
Erste Grobkonzepte erstellten wir bereits im Jahr 2019, detaillierter wurde es dann im März 2021 – alles, bevor der Austragungsort überhaupt bekannt war. Die konkrete Planung der Extrazüge mit Fahrplan und Personal begann dann Anfang dieses Jahres.
Wir Transportunternehmen setzen uns dafür ein, dass Veranstaltungsorte dort gewählt werden, wo die Bahninfrastruktur ideale Voraussetzungen bietet. Das ist bei Mollis in diesem Jahr nicht ganz einfach.
Im Team Transportplanung ist Andreas für das Ressort «Events» verantwortlich.
Seine Aufgabe: relevante Anlässe für die SOB frühzeitig erkennen, sorgfältig analysieren
und gezielt auswerten. Dazu steht er intern mit unterschiedlichen Abteilungen und extern
mit anderen Transportunternehmen regelmässig im Austausch. Andreas arbeitet seit 2019 bei der Südostbahn.
Was macht das ESAF für die Bahn zu einem besonderen Ereignis?
Es wird wohl nicht so schnell wieder einen vergleichbaren Anlass geben mit derart vielen Extrazügen im Glarnerland. Der Aufwand dafür war und ist riesig. Grundsätzlich hat die SBB den Lead, es bedeutet aber für alle Transportunternehmen eine jahrelange Planung, unzählige Koordinations-Meetings und Absprachen. In Näfels-Mollis wurde ein Perron komplett neu gebaut und eines verlängert, in Weesen wurde ebenfalls ein Perron neu gebaut. Diese drei Perrons wurden extra für die aus der ganzen Schweiz ankommenden Extrazüge der SBB erstellt. Die SOB fährt zwischen Netstal und Schwanden so oft wie noch nie – zwischen Glarus und Netstal zu den wichtigsten Zeiten sogar im Viertelstundentakt.
Was bedeutet der Einsatz von Extrazügen für die Reisenden? Wovon profitieren sie?
Die Kapazitäten der Extrazüge sind voll auf die Reisebedürfnisse der ESAF-Besuchenden ausgerichtet. So müssen am Samstag- und Sonntagmorgen aus der ganzen Region, ja aus der ganzen Schweiz 57 000 Reisende bis spätestens 8 Uhr nach Mollis gebracht werden. Dann beginnt der Einmarsch der Schwinger in die voll besetzte Arena. Ohne Extrazüge wäre ein so früher Transport dieser Menschenmenge nicht machbar.
Welche Herausforderungen bei der Planung und Durchführung von Extrazügen für das ESAF ergeben sich dadurch?
Für diese enorme Menschenmasse ist die einspurige Strecke im Glarnerland zu wenig leistungsfähig. Sollte zudem irgendwo eine Strasse blockiert sein, müssen wir lokal mit enormen Zusatzfrequenzen rechnen. Aus diesem Grund planten wir so viele und so lange Züge wie nur möglich ein. Auf der Linie S4, S6 und S17 verkehren wir mit Doppeltraktion, damit die Züge 150 Meter statt nur 75 Meter lang sind. Mit unserem Spezialfahrplan «Glarus Süd» verkehren wir zwischen Netstal und Schwanden im Halbstunden-, teilweise sogar im Viertelstundentakt. Hinzu kommen diverse weitere Extrazüge und -Fahrten von der SBB und Postauto.
Dank zahlreichen Extrazügen gelangen alle Schwingfans rechtzeitig in die Glarnerland-Arena.
Wie geht ihr mit kurzfristigen Änderungen um? Gibt es Notfallpläne?
Ja, es gibt einige Notfallpläne. Hier arbeitet der öV eng mit dem Organisationskomitee und der Polizei zusammen. Den Lead für den öV hat auch hier die SBB, die wiederum mit uns anderen Transportunternehmen zusammenarbeitet. Alle unsere Kundenbegleiter/-innen nehmen vor ihren Einsätzen am Briefing der SBB teil. So sind sie immer auf dem aktuellen Wissensstand.
Wie stellt ihr die Kommunikation der Extrazüge an die Kundschaft sicher?
Der Online-Fahrplan (mit Zielort «Mollis, ESAF 2025») ist der beste Kanal, um aktuelle Informationen zu den Reisemöglichkeiten zu erhalten – sowohl für die Planung von An- und Abreise als auch vor Ort, falls Störungen oder Änderungen auftreten. Auf die Extrazüge machen auch die Anschriften am Bahnhof und die Lautsprecherdurchsagen aufmerksam. Unsere Mitarbeitenden stehen für Fragen und Auskünfte ebenfalls am Bahnhof oder im Zug zur Verfügung. Dazu setzen wir täglich über zehn Kundenbegleiter/-innen mehr ein als üblich.
Welche Faktoren spielen bei der Entscheidung mit, wann, wo und wie viele Extrazüge eingesetzt werden?
Massgebend ist die Kapazität auf dem Schienennetz. Häufig stehen wenige oder keine Trassen – also Slots für die Züge – zur Verfügung, da die Bahninfrastruktur schon bis ans Limit durch den Regelverkehr besetzt ist.
Bei Veranstaltungen oder Grossanlässen sind die zu erwartenden Anzahl Reisenden ein entscheidender Faktor. Falls die Regelzüge nicht genügend verstärkt, also zusätzliche Sitzplätze angeboten werden können, muss ausnahmsweise auch mal ein Regelzug weichen, damit alle Besuchenden rechtzeitig transportiert werden können. Das ist allerdings sehr selten der Fall. Mit Ersatzangeboten wie Busersatz oder Umleitungen sorgen wir dafür, dass die Regelverbindungen möglichst nicht tangiert werden.
Also hat die Grösse der Veranstaltung einen Einfluss auf den Ablauf der Planung?
Ja, der Ablauf ist sehr unterschiedlich. Kleinere Anlässe können wir SOB-intern oft mit wenig Aufwand selbst regeln. Grossveranstaltungen, wie zum Beispiel das ESAF in Mollis, bedingen einen riesigen jahrelangen Planungsaufwand und viel Koordination unter allen beteiligten Transport- und sonstigen Unternehmen (OK, Kanton, Polizei, SBB, Postauto, …).
Hilft euch eine Nachanalyse, die Planung der Extrazüge zu verbessern.
Ja, die Nachanalyse hilft uns, gleiche oder ähnliche Veranstaltungen noch besser zu planen. Wir analysieren die Rückmeldungen des Fahrpersonals, die Kundenrückmeldungen, allfällige Verspätungen und deren Gründe, Frequenzzahlen und das Wetter.
Gibt es Aspekte, die die Öffentlichkeit kaum wahrnimmt, aber für den Erfolg entscheidend sind?
Ich begegne immer wieder Leuten, die sich das Planen von Extrazügen vorstellen wie bei einer Modelleisenbahn: Zug hinstellen, losfahren, Zug wieder entfernen. Das ist in der Realität ganz anders. Unzählige Beteiligte müssen korrekt, rechtzeitig und nach genau definierten Prozessen involviert sein. Nur so ist sichergestellt, dass zur richtigen Zeit, das richtige und gereinigte Fahrzeug mit genügend Fahrpersonal vorhanden sind.
Der Aufwand ist gross, dafür dürfen unsere Reisenden sicher sein, dass wir alles daran setzen einen sicheren, sauberen und pünktlichen Betrieb garantieren können. Für das ESAF 2025 sind wir bereit und freuen uns darauf, Tausende von Menschen zu bewegen.
Texte: Jeannine Lieberherr Bilder: SOB
So plant die Südostbahn ihre Extrazüge
Für zirka 150 Anlässe im Jahr plant das Team der Transportplanung Zugverstärkungen oder Extrazüge. Bei einer Extrazug-Planung sind viele unterschiedliche Stellen involviert mit unterschiedlichen Aufgaben:
Fahrplan: Damit der Extrazug die Regelzüge nicht beeinflusst, wird ein eigener Fahrplan erstellt.
Fahrzeuge: Für einen Extrazug müssten Schienenfahrzeuge, die den Sicherheitsvorgaben entsprechen vorhanden sein. Die Südostbahn verwendete meist ihre FLIRT- oder Traverso-Fahrzeuge. Hat der Bestellende andere Wünsche, kommen manchmal auch historische Fahrzeuge, ausländische Fahrzeuge, Extrazüge für Bauarbeiten o.Ä. zum Einsatz.
Kundeninformation: Die Extrazüge erscheinen im Online-Fahrplan. Hinzu kommt die Programmierung der Lautsprecherdurchsagen, der Zuganschriften sowie der Perron-Anzeigen.
Fahrpersonal: Lokpersonal und Kundenbegleiter/-innen teilen wir so ein, damit sie alle nötigen Arbeiten ausführen können und das Arbeitszeitgesetz sowie der GAV eingehalten werden.
Betrieb: Am Tag der Veranstaltung sind alle Personen, die den Betrieb des Extrazuges regeln, über Angaben wie Fahrplan, Zielort usw. informiert. So können sie bei Unregelmässigkeiten schnell reagieren.
Kosten: Nach der Fahrt eines Extrazuges folgt die Auswertung, damit die entstandenen Kosten korrekt verteilt werden.