Ob und wann eine Störung dringend behoben werden muss, entscheiden die Diagnostikmitarbeitenden. Ist die Störung sicherheitsrelevant? Kann das Lokpersonal den Dienst noch fertig fahren? Lässt sich mittels Fernwartung bereits etwas verbessern? Solche Fragen helfen, eine Störung zu klassifizieren. Es gibt fünf Fehlerkategorien: «Erheblicher Fehler», «Bedeutender Fehler», «Geringer Fehler», «Unbedeutender Fehler» und «Information». Jakob betont: «Beim Beheben der Fehler entscheiden wir, welche Auswirkungen die Störung auf den Bahnbetrieb hat. Da ist der wichtigste Punkt die Sicherheit, gefolgt von der Fahrfähigkeit und dem Komfort. Ein Beispiel: Ein defektes WC hat keine Auswirkungen, ob ein Zug sicher weiterfahren kann, beeinflusst aber den Komfort der Reisenden massgebend. Der Zug muss zwar nicht sofort aus dem Bahnbetrieb genommen werden, die Reparatur wird trotzdem schnellstmöglich angestrebt.»
Nachbereiten und Planen als Schlüssel zur Effizienz
«Bei uns laufen ständig Leute herein, oder sie rufen uns an. Wir sind eine Informationszentrale», sagt Samuel. Die Diagnostik fungiert als Drehscheibe, um Störungen möglichst schnell zu beheben und die Fahrzeuge wieder aus dem Service-Zentrum auf die Schienen zu entlassen. Telefonieren, besprechen und dokumentieren helfen bei einer guten Koordination zwischen allen Beteiligten. «Neben der täglichen Störungskoordinationssitzung führen wir wöchentliche Sitzungen durch und besprechen, welche Arbeiten wir erledigt haben, ob etwas Spezielles aufgetaucht ist oder was gut funktioniert hat und was nicht. Jeden Monat vertiefen wir ausserdem komplexere Sachverhalte», führt Jakob aus. Eine gute Nachbereitung sei wichtig und helfe, in Zukunft effizienter zu arbeiten. Ohne vorausschauende Planung ist es kaum möglich, die Störungen effizient zu bearbeiten. Es sind kaum Reservefahrzeuge vorhanden, was den Druck auf die Teams der Diagnostik und der AVOR erhöht. Die Fehler müssen behoben werden, sonst beeinflusst das die Reisenden. Jakob sagt: «Das macht den Alltag enorm spannend. Kein Tag ist wie der andere, und wir stehen laufend vor neuen Herausforderungen. Jede früh erkannte Störung, die wir diagnostizieren und beheben, ist ein Erfolg. Meist bleibt aber keine Zeit, Erfolge zu geniessen, weil im laufenden Betrieb immer wieder neue Fälle an uns herangetragen werden und wir als Drehscheibe ununterbrochen koordinieren.» Und ganz nach Plan verlässt der 225er-Traverso pünktlich um 12 Uhr das Depot in Herisau.
Text und Fotos: Jeannine Lieberherr