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Drehscheibe für die Störungsbehebung

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Sie analysieren Fehlermeldungen, erkennen Störungsmuster und koordinieren die nächsten Schritte mit Instandhaltung, Betrieb und Herstellern. Das Diagnostikteam arbeitet meist im Hintergrund, trägt aber wesentlich zu einem sicheren und pünktlichen Zugbetrieb bei – und dafür legen die Mitarbeitenden auch öfters selbst Hand an. Ein Blick ins Service-Zentrum Herisau zeigt, wie vielseitig die Arbeit ist.

Dienstagmorgen, 8.05 Uhr, im Führerstand des Traverso 225. Samuel Kier, Mitarbeiter Diagnostik, lädt ein Software-Update für das sogenannte «PAN – Phone and Announcement»-System hoch. «In letzter Zeit traten immer wieder Störungen bei Zugdurchsagen auf. Wir haben vom Hersteller ein Update erhalten, das wir auf alle Züge ausrollen», erklärt Samuel. Er ergänzt: «Eigentlich ist dieser Zug aber wegen einer Kontrolle der Luftschläuche hier.»

Diagnostik bedeutet mehr

Mit vier Jahren ist das Ressort Diagnostik in der Bahn branche noch vergleichsweise jung. Was als Einmannteam mit Andreas Tanner, dem heutigen Leiter Arbeitsvorbereitung & Diagnostik, begann, entwickelte sich durch die wachsende Komplexität der Aufgaben schnell zu einer eigenständigen Gruppe mit sechs Mitarbeitenden. Das Team um Jakob Bühler, Gruppenleiter Diagnostik, ist für einen sicheren und zuverlässigen Zugverkehr unerlässlich. 9 «Unsere Zugflotte ist schnell gewachsen, was auch für uns immer mehr Arbeit bedeutet. Heute arbeiten zwei Personen in Samstagern und vier in Herisau», sagt Jakob.

Erfahrung bleibt entscheidend

Waren früher die Ursachen für Störungen oft mechanisch, sind Fahrzeuge heute stark elektronisch vernetzt. «Das macht auch die Suche nach dem Fehler komplexer», ergänzt Jakob. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter in der Diagnostik benötigt tiefes Systemverständnis und Kenntnisse von Hunderten von Subsystemen. Jakob sagt lachend: «Ich würde sagen, meine Mitarbeitenden sind eigentlich fast Informatikfachkräfte.» Manchmal sind Störungen aber auch offensichtlich, wie an diesem Dienstagmorgen. «Wir beginnen mit dem Wechseln der Luftschläuche. Bis zur Störungskoordinationssitzung, die täglich um 9 Uhr stattfindet, können wir den Wechsel gerade noch vorbereiten», sagt Samuel.

Pünktlich um 9 Uhr startet die Sitzung. «Guten Morgen zusammen. Gehen wir die Arbeiten für den heutigen Tag durch», begrüsst Samuel die Kolleginnen und Kollegen. Inhalt der Störungskoordinationssitzung sind die von Lokpersonal, Zugbegleitung und Instandhaltungsmitarbeitenden erfassten Störungsmeldungen im SAP. Samuel und seine Kolleginnen und Kollegen filtern, klassifizieren, ergänzen und bereiten sich für den Austausch vor. In dieser Sitzung nehmen Diagnostiker/-innen der beiden Standorte Samstagern und Herisau, Mitarbeitende der Transportleitstelle und Mitarbeitende der Stadler Rail AG teil. Das Team bespricht die Meldungen und priorisiert sie. Danach geht es ans Abarbeiten der definierten Aufträge. Auch hier unterstützen sich unterschiedliche Abteilungen wie Diagnostik und AVOR (Arbeitsvorbereitung), Instandhaltung, aber auch Mitarbeitende von Stadler gegenseitig. «Dann lass uns die Schläuche nun ersetzen», sagt Samuel nach der Sitzung zu Jakob. Gemeinsam lösen sie die alten Schläuche vom Fahrzeug und montieren neue. «Das Ersetzen dieser Schläuche würden normalerweise unsere Kolleginnen und Kollegen der Instandhaltung übernehmen. Da heute aber überall viel läuft, übernehmen wir das. Da habe ich nichts dagegen, schliesslich komme ich so immer wieder selbst zum Schrauben», ergänzt Samuel lachend. Am Ende prüfen die beiden ihre Arbeit. «Und jetzt gehts zur nächsten Aufgabe, einem Leck bei einer Tür», erklärt Samuel, während er schon zur besagten Zugtür unterwegs und Jakob bereits wieder in seinem Büro ist.

Immer dranbleiben

Neben dem Alltagsgeschäft planen die Diagnostikmitar beitenden Einsätze an Fahrzeugen mit weniger dringenden Störungen. Sie koordinieren Störungsbehebungen für die Nachtschicht, indem sie Material, Anleitungen und Beschreibungen bereitstellen. «Wir beheben auch in der Nacht kleinere Störungen», sagt Jakob. Und manchmal rücken die Mitarbeitenden aus, um anstehende Probleme direkt vor Ort an den Standorten Arth-Goldau, Chur, Luzern oder Zürich zu beheben. Mit Stadler werten sie Diagnosen mit dem RDS-Tool aus. Dieses System ermöglicht es, Livedaten vom Zug anzusehen – also wo das Fahrzeug unterwegs ist und welche Störung gerade auftritt. Das Tool erfasst diese Störungen, die dann online einsehbar sind. Das ermöglicht es den Mitarbeitenden, rasch Massnahmen einzuleiten. Ebenfalls wichtige Aufgaben sind die SOB-internen Schulungen. Jakob erklärt: «Eine Person aus meinem Ressort gibt in den Instandhaltungsteams laufend Kurzschulungen zu den Fahrzeugsystemen. Auch wir als Diagnostikteam bilden uns ständig weiter – sei es an internen Kursen oder externen Weiterbildungen. Schliesslich nimmt die Komplexität der Systemlandschaft nicht ab.»

«Beim Beheben der Fehler entscheiden wir, welche Auswirkungen die Störung auf den Bahnbetrieb hat. Da ist der wichtigste Punkt die Sicherheit, gefolgt von der Fahrfähigkeit und dem Komfort.»
Jakob Bühler, Gruppenleiter Diagnostik

Sicherheit, Fahrfähigkeit und Komfort

Ob und wann eine Störung dringend behoben werden muss, entscheiden die Diagnostikmitarbeitenden. Ist die Störung sicherheitsrelevant? Kann das Lokpersonal den Dienst noch fertig fahren? Lässt sich mittels Fernwartung bereits etwas verbessern? Solche Fragen helfen, eine Störung zu klassifizieren. Es gibt fünf Fehlerkategorien: «Erheblicher Fehler», «Bedeutender Fehler», «Geringer Fehler», «Unbedeutender Fehler» und «Information». Jakob betont: «Beim Beheben der Fehler entscheiden wir, welche Auswirkungen die Störung auf den Bahnbetrieb hat. Da ist der wichtigste Punkt die Sicherheit, gefolgt von der Fahrfähigkeit und dem Komfort. Ein Beispiel: Ein defektes WC hat keine Auswirkungen, ob ein Zug sicher weiterfahren kann, beeinflusst aber den Komfort der Reisenden massgebend. Der Zug muss zwar nicht sofort aus dem Bahnbetrieb genommen werden, die Reparatur wird trotzdem schnellstmöglich angestrebt.»

Nachbereiten und Planen als Schlüssel zur Effizienz
«Bei uns laufen ständig Leute herein, oder sie rufen uns an. Wir sind eine Informationszentrale», sagt Samuel. Die Diagnostik fungiert als Drehscheibe, um Störungen möglichst schnell zu beheben und die Fahrzeuge wieder aus dem Service-Zentrum auf die Schienen zu entlassen. Telefonieren, besprechen und dokumentieren helfen bei einer guten Koordination zwischen allen Beteiligten. «Neben der täglichen Störungskoordinationssitzung führen wir wöchentliche Sitzungen durch und besprechen, welche Arbeiten wir erledigt haben, ob etwas Spezielles aufgetaucht ist oder was gut funktioniert hat und was nicht. Jeden Monat vertiefen wir ausserdem komplexere Sachverhalte», führt Jakob aus. Eine gute Nachbereitung sei wichtig und helfe, in Zukunft effizienter zu arbeiten. Ohne vorausschauende Planung ist es kaum möglich, die Störungen effizient zu bearbeiten. Es sind kaum Reservefahrzeuge vorhanden, was den Druck auf die Teams der Diagnostik und der AVOR erhöht. Die Fehler müssen behoben werden, sonst beeinflusst das die Reisenden. Jakob sagt: «Das macht den Alltag enorm spannend. Kein Tag ist wie der andere, und wir stehen laufend vor neuen Herausforderungen. Jede früh erkannte Störung, die wir diagnostizieren und beheben, ist ein Erfolg. Meist bleibt aber keine Zeit, Erfolge zu geniessen, weil im laufenden Betrieb immer wieder neue Fälle an uns herangetragen werden und wir als Drehscheibe ununterbrochen koordinieren.» Und ganz nach Plan verlässt der 225er-Traverso pünktlich um 12 Uhr das Depot in Herisau.

Text und Fotos: Jeannine Lieberherr

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