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Die Mühe zahlt sich aus

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Julia Schmid ist Expertin Recht & Compliance bei der Südostbahn. In dieser neu geschaffenen Position hat sie als eine ihrer ersten Aufgaben einen SOB-internen Verhaltenskodex erarbeitet. Im Interview spricht sie über Herausforderungen und Chancen von Compliance und zieht für sich privat Parallelen zum Hobby Triathlon.

Julia, was hat dich an der Stelle bei der SOB angesprochen?
Nach meinem Studium in Wirtschaftsrecht und dem CAS «Compliance Officer» habe ich meine Karriere im Compliance-Bereich vorangetrieben. Das Thema liegt mir, weil es viel Disziplin erfordert, man dranbleiben und sich kontinuierlich weiterentwickeln muss. Das (er)lebe ich auch im privaten Alltag. Im Triathlontraining überwindet man immer wieder den inneren Schweinehund. Aber die Mühe zahlt sich aus. Mich reizte die Chance, bei der SOB etwas Neues aufzubauen, Recht und Compliance zu verbinden und mein Wissen – vor allem im Vertragsrecht – weiter zu vertiefen.

Warum hat die SOB die Stelle erst – oder gerade – jetzt geschaffen?
Die SOB ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Nun scheint die Zeit reif, alle Regeln und Regulierungen zu ordnen.

Weckt dies Erwartungen in der Öffentlichkeit?
Einige werden vielleicht staunen, dass wir bisher keine Compliance-Abteilung hatten. Doch die Südostbahn hat nichts versäumt. Compliance wurde und wird in den Fachabteilungen gelebt. Es gab keine gröberen Verstösse, und die strengen Sicherheitsauflagen eines integrierten Eisenbahnunternehmens hat die SOB stets eingehalten und erfüllt. Mit der neuen Stelle gibt es nun eine Ansprechperson und somit eine zentrale Anlaufstelle sowie eine einheitliche Richtung. Das wiederum gibt dem Thema einen offiziellen Charakter.

«Ethik ist ein sehr weiter Begriff, der individuell ausgelegt und gelebt wird.»
Julia Schmid, Expertin Recht & Compliance

Zahlt sich Compliance aus?
Seriös umgesetzte Compliance ist aufwendig. Aber wenn wir Compliance aus der wirtschaftlichen Perspektive betrachten, ist die Antwort klar «Ja». Sie dient der Sicherheit, und die ist unbezahlbar. Ausserdem kann Compliance auch ein Wettbewerbsvor teil sein; ich denke da vor allem an die Wahrnehmung der Kundinnen und Kunden bei der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit.

Was waren die Herausforderungen in den ersten Monaten deiner Tätigkeit?
Was sich anfangs als Vorteil erwiesen hat, nämlich dass die SOB in vielen Bereichen schon gut aufgestellt ist und Compliance verinnerlicht hat, war für mich schliesslich herausfordernd. Ich musste mir zuerst einen Überblick verschaffen. Meine Aufgabe ist es nun, eine übergeordnete Struktur und Ordnung in die Themen aus den Geschäftsbereichen zu bringen und diese zusammenzuführen.

Wie gehst du das an?
Wir evaluieren und etablieren aktuell schrittweise ein Compliance-Management-System (CMS), das die bestehen den Systeme verbindet. Es soll keine Insellösung entstehen, die «on top» über alles gestülpt wird. Es geht darum, Themen wie Datenschutz, Risikomanagement, Arbeitssicherheit und Nachhaltigkeit zu vereinen. So können Synergien genutzt und Schnittstellen optimiert werden.

Compliance wird oft als bürokratisch wahrgenommen. Wie siehst du das?
Compliance stellt die Einhaltung von Gesetzen und Regeln sicher. Sie dient der Prävention und somit dem Schutz der Mitarbeitenden, des Unternehmens und seiner Kundinnen und Partner sowie der Umwelt und sollte uns allen deshalb am Herzen liegen.

Hat sich das Verständnis von Compliance in den letzten Jahren verändert?
Noch vor zehn Jahren war Compliance vor allem auf Gesetze ausgelegt. Das Recht sollte damit greifbarer gemacht werden. In den letzten Jahren kamen immer mehr ethische Themen dazu. Ethik ist ein sehr weiter Begriff, der individuell ausgelegt und gelebt wird.

Ethik hat viel mit Kultur zu tun. Wie bringt die SOB ihre mittlerweile rund 1200 Mitarbeitenden diesbezüglich auf den gleichen Nenner?
Die Basis bilden unsere Werte. Diese haben die Mitarbeitenden in Workshops selbst erarbeitet. Bei ihren Entscheidungen und in ihrem Handeln orientieren sie und die Unternehmensleitung sich seither an diesen Werten.

«Compliance sollte uns allen am Herzen liegen.»
Julia Schmid, Expertin Recht & Compliance

Und nun hast du einen Verhaltenskodex ausgearbeitet. Wieso braucht es diesen in Ergänzung zu den Werten?
Ein Verhaltenskodex ist ein wichtiges Instrument, da er ausformuliert, was wir unter unseren Werten verstehen. Also eine Art Verhaltensanleitung. Er erläutert etwa den Umgang, den wir untereinander pflegen. Er geht aber noch weiter und nimmt beispielsweise auch subventionsrechtliche Themen oder Aspekte der Nachhaltigkeit auf.

Ist das der Grund, warum der Verhaltenskodex auf unseren Werten aufbaut?
Ein Kodex ist kein Garant dafür, dass alles eingehalten wird. Das muss gelebt und in Abläufe integriert werden, vor allem, wenn es um die Sicherheit geht. Wir wollten deshalb bewusst nichts Neues erschaffen, sondern den Kodex mit bestehenden Grundlagen verbinden, um eine grösstmögliche Akzeptanz zu schaffen. Unterstützend werden wir zu den bereits laufenden Schulungen zu Cybersicherheit und Datenschutz noch weitere Lernmodule ausarbeiten und zu bestimmten Themen die Vorgesetzten schulen.

Andere Firmen adressieren ihren Verhaltenskodex auch an ihre Kunden und Kundinnen sowie Partner. Wieso ist das bei der SOB anders?
Die SOB verwendet bereits seit ein paar Jahren einen Kodex für Anbieter bei Submissionen, etwa in Bezug auf Prävention von Korruption oder Kinderarbeit, Arbeitsschutz bestimmungen, Lohngleichheit oder Umweltrecht. Dieser Kodex wird laufend ergänzt, zum Beispiel mit Themen wie Datenschutz und Kreislaufwirtschaft. Für unsere Fahrgäste gelten die Bahnhof- und die Zugordnung für Rücksicht und gegenseitigen Respekt.

Stellst du eine Veränderung der Gesellschaft fest?
Die vermeintliche Weltordnung ist in den letzten Jahren aus den Fugen geraten – durch Kriege, Klimawandel, Pandemien und politische Instabilität. Das verunsichert. Daher sind klare Werte und Verhaltensanleitungen wichtiger denn je.

Würdest du dir allgemein mehr Zivilcourage wünschen?
Ja, das würde ich mir tatsächlich wünschen. Meiner Ansicht nach kränkelt hier die Gesellschaft. Man schaut lieber aufs Handy oder weg und bekommt nicht mit, was um einen herum passiert, statt sich um die Mitmenschen zu kümmern.

Womit wir wieder bei der Ethik wären.
Ethik ist ein zentrales Fundament unseres Handelns – im Unternehmen wie in der Gesellschaft. Für uns als SOB bedeutet das ganz konkret, aufmerksam zu sein und nicht wegzuschauen, wenn jemand Unterstützung braucht oder wir Unregelmässigkeiten entdecken. Das klingt simpel, ist im Alltag aber anspruchsvoll. Genau deshalb geben der Verhaltenskodex und die darauf aufbauenden Prozesse Orientierung und fördern ein Umfeld, in dem Fairness und Transparenz selbstverständlich sind – auch hier gilt es dranzubleiben.

Text: Claudia Krucker, Foto: Jeannine Lieberherr

Compliance

Der Begriff «Compliance» wird oft mit «Zustimmung», «Einhaltung» oder «Befolgung» übersetzt. Im erweiterten Sinn spricht man auch von «Rechtskonformität» oder «Regeltreue».

Innerhalb einer Organisation versteht man darunter die Sicherstellung der Einhaltung von Gesetzen und Regeln. Dabei geht es nicht um die Selbstverständlichkeit, dass die Gesetze zu beachten sind, sondern darum, wie dies in der Organisation zu erfolgen hat.

 

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