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Vogelschutz an Fahrleitungen

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Mit dem Frühling erwacht die Tier- und Pflanzenwelt aus dem Winterschlaf. Vogelschwärme ziehen über den Himmel, unter ihnen der einheimische Storch. Zusammen mit dem Adler, dem Geier, dem Uhu und weiteren Vögeln mit grosser Flügelspannweite zählt er zu den schutzwürdigen Grossvögeln. Nicht nur Veränderung im Lebensraum der Tiere sind ein Problem, auch Strom ist eine grosse Gefahr. Anpassungen an Fahrleitungen schaffen hier Abhilfe.

In den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand der Vögel in der Schweiz enorm zurückgegangen. Grund dafür ist die Intensivierung der Landwirtschaft. Das bekam auch der Storch zu spüren. Gemäss der Vogelwarte Sempach haben diese Vögel heute Probleme, ihre Jungen mit Nahrung zu versorgen. Hinzu kommt die zunehmende Entwässerung von feuchten Wiesen, dem Lebensraum der Störche, oder der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel. Auch Frei- oder Fahrleitungen können eine tödliche Gefahr darstellen.

Fahrleitungsmasten entlang der Gleise sind ideale Rast- oder teilweise auch Nistplätze für Vögel. Was für kleine Arten kein Problem darstellt, kann für grössere Vögel zur tödlichen Falle werden. Berühren die Grossvögel gleichzeitig zwei Elemente, durch die Strom fliesst, lösen sie einen Kurzschluss aus. Das passiert meist beim Anflug von Strommasten oder beim Abflug. Aber auch wenn das Tier die Stromleitung nur mit einem Flügel berührt, löst es einen sogenannten Erdfluss aus, der tödlich enden kann.

Obwohl der Südostbahn gemäss einer Erhebung im Jahr 2024 keine Unfälle mit Grossvögeln bekannt sind, will sie das Risiko minimieren. Anstehende Fahrleitungserneuerungen oder Instandhaltungsarbeiten nutzt sie daher für die Umsetzung von Massnahmen, um die Fahrleitungsanlagen für Vögel sicherer zu machen.

Vögel vor Fahrleitungen schützen

Bereits im Jahr 2017 hat der Bundesrat den Aktionsplan zur Strategie Biodiversität Schweiz (AP SBS) verabschiedet. Darin wurden unterschiedliche Massnahmen zur Förderung gefährdeter Arten definiert. Sie sollen durch Vögel verursachte Erd- und Kurzschlüsse vermeiden und einen Beitrag zur Erhaltung und Förderung von stromschlaggefährdeten Vogelarten leisten. Hinzu kommt, dass durch diese Massnahmen weniger Fahrleitungen beschädigt werden, was Störungen im Bahnbetrieb vorbeugt.

Vögel bei der Südostbahn

Bisher haben Fahrbahn-Mitarbeitende die bestehenden Stützisolatoren mit Schutzhauben und Schutzschläuchen ausgerüstet. Kunststoffteile sind allerdings einer gewissen Alterung, beispielsweise durch UV-Strahlen, ausgesetzt. «Die favorisierte Lösung ist deshalb der Schutz durch Abstand», erklärt Stefan Hofmann, Technologie-Manager Fahrstrom.

Der Schutz durch Abstand beruht auf einem Mindestabstand zwischen unter Spannung stehenden und geerdeten Elementen im Bereich von Sitzplätzen der Vögel. Da Vögel beim An- und Abfliegen mit den Flügeln nach unten schlagen, gilt für bis zu 30° unterhalb des Sitzplatzes einen Mindestabstand von 90 Zentimetern zur Gefahrenzone. Weiter unterhalb des Vogels gilt dann noch ein Abstand von 60 Zentimetern. Mit diesen Abständen wird eine kritische Nähe zu spannungsführenden Teilen der Fahrleitung vermieden.

Als Beispiel sanierte die Südostbahn im Jahr 2024 den Streckenabschnitt Schachen–Degersheim. Dabei haben Mitarbeitende an 19 bestehenden Tragwerken Vogelschutzmassnahmen umgesetzt. Dazu gehören der Schutz von Stützisolatoren mit Schutzhauben aus Kunststoff oder das Anbringen alternativer Sitzgelegenheiten ausserhalb der Gefahrenzone.

Solche Massnahmen sind wichtig, um das Risiko für Grossvögel durch Fahrleitungen zu minimieren. Die Südostbahn setzt deshalb bei Fahrleitungserneuerungen oder Instandhaltungsarbeiten Vogelschutzmassnahmen wo immer möglich um. Hofmann sagt: «Wir nutzen Synergien und verbinden die Umsetzung der Vogelschutzmassnahme mit Instandhaltungs- oder Erneuerungsarbeiten. Wir leisten so einen ressourcenschonenden und effizienten Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.»

Text: Jeannine Lieberherr, Esther Volken
Bilder: SOB

Eine vogelsichere Verglasung am Beispiel des Wartehäuschens am Bahnhof Herisau.

Glasscheiben als tödliche Falle

Ist der Strom für Grossvögel eine der grössten Gefahren, kämpfen kleinere Artgenossen mit anderen Problemen: den Glasscheiben. Die Vogelwarte Sempach geht davon aus, dass jährlich mehrere Millionen Vögel durch Kollisionen mit Glasscheiben sterben. Um solche Kollisionen mit Wartehäuschen oder anderen Bauten an Bahnhöfen zu verhindern, orientiert sich die Südostbahn am Leitfaden «Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht» der Vogelwarte Sempach. Die Südostbahn verwendet dabei Markierungen der im Leitfaden erwähnten Kategorie A «hoch wirksam – <Vogelschutzglas>».

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