Die SOB setzt als erste Bahn in der Schweiz im Rahmen einer Betriebserprobung testweise Schwellen aus rezykliertem Kunststoff der Firma Sicut ein. Der Projektstart zum Einsatz dieser Kunststoffschwellen auf dem Waldbach viadukt in Degersheim war vor drei Jahren. Dieses Viadukt wurde als Einbauort gewählt, da der Oberbau dort ohne hin zur Erneuerung ansteht. Im Juli 2026 werden auf rund 200 Metern Fahrbahn 340 Kunststoffschwellen eingebaut. Dabei werden auch Schotter und Schienen erneuert, da diese Komponenten eng zusammenwirken. Die Arbeiten erfolgen während einer Wochenendsperre und werden mit weiteren Sanierungsmassnahmen kombiniert.
Die Rahmenbedingungen für den Einbau
Auf bestehenden Viadukten ist ein möglichst leichter Oberbau entscheidend. Kunststoffschwellen eignen sich hier für besonders gut, da ihr Gewicht in etwa dem von Holz schwellen entspricht, die auf Brücken häufig zum Einsatz kommen. Das Waldbachviadukt bietet ideale Bedingungen für die Erprobung: Der Unterbau ist auf der Brücke einheitlich, sodass Störfaktoren wie unterschiedliche Baugrund verhältnisse – etwa weiche Zonen aus Lehm – entfallen. Weil daher weniger Einflussfaktoren wirken, können die Fahrbahnfachspezialistinnen und -spezialisten der SOB das Verhalten der Schwellen im Betrieb präziser beurteilen. Gleichzeitig wurden bewusst noch höhere Anforderungen gewählt: Der entsprechende Streckenabschnitt befindet sich in einer leichten Kurve im Übergang zum Viadukt, wo auf die Schwellen andere beziehungsweise erhöhte Belastungen wirken als auf geraden Strecken. Ulrich Bosshard, Senior Projektleiter bei der SOB, sagt dazu: «Das Projekt bietet uns die Chance, ein innovatives Produkt unter realen Bedingungen zu testen und damit Impulse in der Bahnwelt zu setzen.» Auch hinsichtlich des Unterhalts unterscheiden sich Holz- und Kunststoffschwellen deutlich: Bei Holzschwellen können sich Schraubenlöcher mit der Zeit verändern, was sie wartungsintensiv macht – eine Schwachstelle, die bei Kunststoffschwellen entfällt und den Unterhalt langfristig vereinfacht. Anders als Holz verrottet der Kunststoff der Sicut-Schwellen nicht, nimmt keine Feuchtigkeit auf und unterliegt keiner biologischen Zerset zung. Zudem ist er beständig gegenüber Chemikalien, Salz, Temperaturschwankungen und Umwelteinflüssen und behält seine strukturelle Leistungsfähigkeit auch unter den hohen dynamischen Belastungen der Fahrbahn.
Die Kunststoffschwelle und ihre Eigenschaften
Kunststoffschwellen werden aus wiederaufbereiteten Polymermaterialien hergestellt, die mit rezyklierten Glasfasern verstärkt sind. Diese Kombination ergibt einen festen und stabilen Verbundwerkstoff, der speziell für die anspruchsvol len Bedingungen der Eisenbahninfrastruktur entwickelt wur de. Die Glasfasern verleihen dem Material hohe Steifigkeit und strukturelle Festigkeit, während die Polymermatrix für eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Stössen und mechanischen Belastungen sowie eine lange Lebensdauer sorgt. Sicut hat eine Studie zu Mikroplastik durchgeführt: Beim Kontakt der Schwellen mit dem Schotter kann eine geringe Menge Abrieb entstehen, das Material ist jedoch ungiftig.

