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Abschied vom NPZ – ein Zug, der Generationen bewegte

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Er war kurz, weiss und unscheinbar – und doch der tägliche Begleiter vieler Fahrgäste. Mit seinem Retro-Innenraum und seinem unverwechselbaren Klang brachte der «Neue Pendelzug» (NPZ) seit den 1990er-Jahren Menschen zuverlässig von einem Ort zum anderen. Im Oktober 2025 rollten die letzten NPZ der Südostbahn in den Ruhestand. Mit ihnen verschwand ein Stück SOB-Geschichte aus dem Fahrplan.

Drei Jahrzehnte lang waren die «Neuen Pendelzüge» das Rückgrat des Regionalverkehrs der Südostbahn. Tag für Tag verbanden sie Regionen, überwanden Steigungen und bewältigten das Verkehrsaufkommen auf dem Voralpen-Express ebenso wie im S-Bahn-Netz. Kein Prestigeprojekt, sondern ein funktionales Fahrzeug für den täglichen Einsatz: Motorwagen, Steuerwagen und bei Bedarf ein oder mehrere Zwischenwagen. Ein flexibles Baukastensystem, das sich überall einsetzen liess. Robust, wendig, zuverlässig. Ein Zug, auf den man sich verlassen konnte. Mit der letzten Fahrt im Herbst 2025 endete dieses Kapitel Eisenbahngeschichte – und für viele Reisende ein Teil des Alltags.

Warum er gehen musste

Seine letzten Fahrten absolvierte der NPZ auf der S27 zwischen Siebnen-Wangen und Ziegelbrücke – dem sogenannten «March-Shuttle». Eine kurze Linie, aber für viele Fahrgäste ein vertrauter Begleiter. Pneumatische Türen, das typische Rattern beim Anfahren und der charakteristische Klang – hier blieb bis zuletzt der ursprüngliche Charakter des Pendelzugs spürbar.

Trotzdem hatte er keine Zukunft. Technisch waren die Fahrzeuge zwar weiterhin betriebsfähig, doch das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) stellte klare Anforderungen an das Rollmaterial mit Niederflureinstieg, Informationssystemen und Platz für Rollstühlen und gab eine Umsetzungsfrist vor. Der NPZ erfüllte diese Ansprüche nicht. Ein Umbau wäre aufwendig und wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen. Sein Einsatz endete deshalb nicht wegen technischer Mängel, sondern weil sich die Standards geändert hatten.

Sein Nachfolger: Flink, leicht, innovativ

Seit 2007 setzt die Südostbahn schrittweise auf Flirt-Züge – Flirt steht für «Flinker, leichter, innovativer Regional-Triebzug». Diese Fahrzeuge sind klimatisiert, leiser, energieeffizient und vollständig barrierefrei. Info-Displays, Steckdosen und automatische Schiebetritte gehören ebenso zum Standard wie moderne Sicherheits- und Diagnosesysteme. Für die Fahrgäste bedeutet der Wechsel deutlich mehr Komfort.

Auch für das Lokpersonal ändert sich die Arbeit grundlegend. Während beim NPZ viele Funktionen noch direkt und mechanisch bedient wurden, ist der FLIRT ein digitaler Triebzug mit Leittechniksystemen, Bildschirmen und moderner Störungsanalyse. Viele Funktionen erfolgen weiterhin manuell, werden aber durch die Fahrzeugleittechnik elektronisch unterstützt, etwa das Beschleunigen und das Bremsen. Störungen werden nicht mehr mit Handbuch und Meldelampen gesucht, sondern über die angezeigten Diagnosemeldungen am Bildschirm erkannt. Für die Südostbahn bedeutet diese Modernisierung eine vereinheitlichte Flotte, weniger Schulungsaufwand und eine höhere Einsatzflexibilität. Doch bevor der NPZ endgültig verschwindet, lohnt sich ein Blick zurück auf seine Geschichte.

Vom grünen Klassiker zum roten Pendelzug

Die NPZ der Südostbahn gab es in zwei Generationen. Die älteren «NPZ-Ost» der Baujahre 1981–83 wurden auch als «Privatbahn-NPZ» bezeichnet, da diese zwischen 1981 und 1992 speziell für Schweizer Privatbahnen beschafft wurden. Die Triebzüge sollten standardisiert sein, um Kostenvorteile durch Gemeinschaftsbestellungen zu ermöglichen. Die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) war damals eine der beteiligten Bahnen, die als privat betriebene Eisenbahngesellschaft mit Konzession (KTU) fungierte. Die Züge waren zunächst grün-creme lackiert. Später, nach der Fusion mit der Südostbahn im Jahr 2001, rot-grau. Sie prägten mit diesen Farben den Regionalverkehr der SOB bis 2019/20.

Die damalige Südostbahn erhielt rund zehn Jahre nach der Bodensee-Toggenburg-Bahn im Jahr 1995 ebenfalls vier zweiteilige NPZ. Bei diesen NPZ handelte es sich nicht mehr um die Privatbahnversion, sondern um die baugleiche Version, wie sie bei der SBB zum Einsatz kam. Die Triebwagen liefen ursprünglich als RBDe 566 und wurden im Zuge der TSI-Nummerierung zu RBDe 561 umgeschrieben. Die Fahrzeuge wurden ebenfalls in grün-creme abgeliefert. Das Design wurde gegenüber den älteren Fahrzeugen leicht modernisiert. Nach der Fusion im Jahr 2001 wurden sie innerhalb der SOB als «NPZ-Süd» bezeichnet. Diese Fahrzeuge waren rund 50 Meter lang, wogen 116 Tonnen, leisteten 1650 kW und erreichten 140 Kilometer pro Stunde. Im Laufe der Jahre wurden sie mehrfach revidiert.

Als die «NPZ-Ost» zum Fahrplanwechsel 2019 aus dem Verkehr genommen wurden, übernahm die jüngere Generation deren Aufgabe auf der S27. Vier Trieb- und vier Steuerwagen wurden eigens dafür aufbereitet, inklusive Einbau eines neuen Zugfunks und der Reaktivierung der Steuerwagen, damit der Betrieb zwischen Ziegelbrücke und Siebnen-Wangen sicher und zuverlässig blieb.

Auch einzelne Fahrzeuge fanden neue Wege. Ein Fahrzeugmangel führte im Jahr 2014 zum Zukauf eines weiteren NPZ-Triebwagens von der SBB – des RBDe 561 174. Statt ihn nach der Ausserbetriebnahme zu verschrotten, gab ihn die SOB im Herbst 2024 an den Verein MThB-NPZ ab. Der Verein in der Ostschweiz hat es sich zur Aufgabe gemacht, den ursprünglichen «Neuen Pendelzug» der ehemaligen Mittelthurgau-Bahn (MThB) in seiner historischen Form zu erhalten und für Sonder- und Charterfahrten wieder betriebsfähig zu machen.

Dass dies möglich ist, liegt auch an der einfachen, robusten Technik der NPZ: bewährte Antriebs- und Bremssysteme, überschaubare Elektronik. Vieles lässt sich ohne komplexe Diagnosesysteme instand halten. Ein Vorteil für Vereine und deren Werkstätten.

Ausgemustert – aber nicht vergessen

Mit dem Abschied des NPZ endete ein Stück gelebter Alltagsgeschichte. Drei Jahrzehnte lang verbanden die Pendelzüge Regionen, brachten Menschen zur Arbeit, in die Schule oder in die Freizeit. Zuverlässig und ohne grosses Aufsehen.

Damit diese Geschichte weitergeht, setzt die SOB alles daran, die ausgemusterten Fahrzeuge möglichst an interessierte Vereine und Eisenbahnfreunde weiterzugeben, anstatt sie zu verschrotten. So bleiben Know-how, Erinnerungen und Technik erhalten und ein Teil der NPZ-Flotte als historische Fahrzeuge erlebbar.

Der «Neue Pendelzug» ist zwar aus dem regulären Fahrplan verschwunden, sein Erbe rollt jedoch weiter in Form historischer Züge und in guten Händen engagierter Eisenbahnfreunde. Es ist ein leiser Abschied von einem stillen Helden und zugleich der Beginn eines neuen Kapitels, in dem seine Geschichte weiterlebt.

Text: Brigitte Baur, SOB-Medienstelle, Foto: Michel Huber

Fakten und Zahlen zum NPZ

Obwohl der NPZ nie als Prestigeobjekt gedacht war, steckt hinter diesen Zahlen eine beachtliche Leistung: Drei Jahrzehnte im täglichen Einsatz, Millionen zurückgelegter Kilometer und tausende Fahrten quer durch die Ost- und Zentralschweiz – mit Technik, die heute fast nostalgisch wirkt, jedoch immer noch einwandfrei funktioniert. Wer im NPZ sass, reiste in einem Stück Schweizer Eisenbahngeschichte, das nun als historischer Zug weiterlebt.

NPZ Süd RBDe 561 081-084 / Abt 181-184

Bezeichnung: NPZ 2-teilig (RBDe 561 + ABt)

Baujahr: 1995

Einsatzdauer: 30 Jahre

Gefahrene Kilometer: rund 3 Mio. pro Fahrzeug (zwischen 2,96 und 3,11 Mio. km – das entspricht mehr als 70 Erdumrundungen)

Länge: ca. 50 Meter

Gewicht: ca. 116 Tonnen (Zweiteiler), 70 Tonnen (Triebwagen)

Leistung: 1 650 kW (rund 2 240 PS)

Höchstgeschwindigkeit: Vmax 140 km/h

Sitzplätze: 120 (1. Kl.: 24 / 2. Kl. 96)

Besonderheit: pneumatische Türen, kein Niederflureinstieg, keine Klimatisierung, Fenster zum Öffnen

Letzter Einsatzort: S27 «March-Shuttle» (Siebnen-Wangen–Ziegelbrücke)

Ausmusterung: Oktober 2025

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Leidenschaft bis zum Schluss – und noch ein Stück weiter: SOB-Lokführer Michel Huber im Führerstand des NPZ

Der NPZ – Stimmen aus dem Betrieb

Drei Jahrzehnte lang gehörte der NPZ zum Alltag der Südostbahn. Gefahren, gewartet und gemanagt von Menschen, die ihn wie kaum jemand sonst kannten. Vier von ihnen erzählen, wie sich der Pendelzug im Führerstand, in der Werkstatt und im Flottenmanagement anfühlte und zeigen, was hinter den nüchternen Zahlen steckt.

Michel Huber – seit 8 Jahren Lokführer bei der SOB, bekennender NPZ-Fan

«45 Grad im Führerstand, das Fenster offen, der Lärm war wie ein dröhnender Klangteppich aus Motoren, Lüftern und Vibrationen. Das war Sommer im NPZ. Das gehörte dazu wie die kalten Bedienelemente im Winter, wenn die Tischheizung nicht eingeschaltet war. Der NPZ war kein Fahrzeug, das man einfach so fährt. Man hat ihn geführt, mit Fuss, Hand, Gefühl. Bremsen, Beschleunigen, Probleme lösen: alles manuell. Kein Display, kein Komfort. Dafür echtes Handwerk. Ich mag den Flirt, er ist ein moderner und komfortabler Arbeitsplatz. Aber beim NPZ war man Teil der Maschine. Das hatte etwas Ehrliches. Wenn heute noch einer fährt, sitze ich sofort links vorn und ich wäre nicht abgeneigt, eines Tages selbst einen historischen NPZ zu übernehmen. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge schaue ich auf den Einsatz des NPZ zurück und bin froh, dass ich ihn fahren durfte.»

Stefan Hähnlein – Leiter Instandhaltung, Schraubenzieher statt Laptop

«Der NPZ war nie einfach. Aber man konnte ihn retten. Man hat gemessen, geflickt, geschraubt. Mit Schraubenzieher und Handbuch statt Laptop. Heute steckt man ein Kabel ein, das System sagt rot, und man darf nicht mal mehr reinschauen. Beim NPZ konntest du wenigstens noch nachvollziehen, warum etwas nicht ging. Er war laut, sperrig und voll alter Tricks. Aber man hat gelernt, wie ein Zug wirklich funktioniert. Manchmal kam man sich vor wie Mechaniker und Detektiv in einem. In der Werkstatt wird ihn wohl niemand vermissen. Viele aber haben am NPZ gelernt, was heute kaum noch jemand versteht: Technik, die man noch begreifen konnte.»

Martin Burkhard – ehemaliger Flottenmanager, kennt jede SOB-Komposition

«Die NPZ-Süd waren für mich keine Stars, sondern zuverlässige Leistungsträger. Drei Jahrzehnte haben sie ihren Dienst getan, unauffällig, zuverlässig. Im Regionalverkehr, im Shuttle-Betrieb, als Teil des Voralpen-Express. Ich erinnere mich an komplexe Kompositionen mit Loks, NPZ-Köpfen und Revvivo-Wagen. Technisch anspruchsvoll, aber sie liefen. Das Konzept war bodenständig, konstant im Einsatz, enorm flexibel. Manchmal mussten wir improvisieren, aber der NPZ hat mitgemacht. Kein Systemfehler, kein Theater. Einfach fahren. Und das bleibt: die Erinnerung an einen Zug, der geliefert hat, wenn es darauf ankam.»

Thomas Bärlocher – Flottenmanager, sorgt dafür, dass der NPZ nicht im Schrott landet

«Umbauprojekte, Revisionen, Reparaturen, Ersatzteile: Der NPZ war für mich wie ein ehrlicher Kollege: robust, stabil und zuverlässig, ein Dauerläufer. Jetzt ist seine Zeit vorbei: nicht BehiG-konform, alte Elektronik, Wartungsaufwand. Eine teure grosse Revision, die nötig gewesen wäre, hätte kaum Sinn gemacht. Für die Fahrgäste ist der Wechsel zum Flirt ein Gewinn: komfortable Fahreigenschaften, klimatisiert, barrierefrei. Auch für den Betrieb und die Instandhaltung bringt die Umstellung spürbare Verbesserungen mit sich: Die Vereinheitlichung der Fahrzeugflotte und die Nutzung eines gemeinsamen Ersatzteilpools ermöglichen eine effizientere Planung und eine klarere Struktur im Unterhalt. Dennoch ist es mir wichtig, dass der NPZ nicht einfach verschwindet, sondern bei Vereinen und Liebhabern ein neues Zuhause findet. So bleibt ein Stück Technik und Erinnerung lebendig. Und der NPZ, der Generationen bewegt hat, fährt in anderer Form weiter.»

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