Erst fiel ihr ein Stein in die SOB-Toilette, dann einer vom Herzen

| Geschichte

Vier Sonntage, vier Kerzen, vier Geschichten: Wir blicken zurück auf das SOB-Jahr 2023. Jeden Adventssonntag erzählen wir von speziellen und schönen Momenten im Eisenbahnalltag. In der Geschichte zum 2. Advent wird ein wertvoller Stein vermisst – ausgerechnet auf dem stillen Örtchen.

Traverso 113, Wagen 7. Genau hier war eine Kundin aus dem Kanton Zürich im vergangenen September unterwegs. «Es war ein eher kalter und grauer Tag», erinnert sich Svenja Blunschi*, als sie ihr Erlebnis für diesen Text Revue passieren lässt. Mit im Gepäck: Ein kleiner violetter Amethyst, eiförmig mit einem kleinen Löchlein. «Ich war an diesem Tag recht neben mir», sagt die Reisende. Deshalb habe sie diesen Stein bewusst gewählt für ihre Reise im Voralpen-Express von Rapperswil nach St. Gallen.

Svenja Blunschi glaubt an die Kraft der Steine: «Ich habe diesen Stein schon mehrere Jahre, habe ihn sehr liebgewonnen und er hat mich schon oft in meiner Meditation begleitet und mich unterstützt mich zu zentrieren und stärken, auch auf emotionaler Ebene.» Umso schlimmer ist das Malheur, das ihr auf dieser Fahrt im Voralpen-Express passiert. Der Stein fällt ihr in die Toilette. «Ich habe ihn schon aufgegeben und gespült, doch er blieb unten in der Toilette hängen», beschreibt sie den Vorfall in einer Nachricht an den SOB-Kundendienst.

Der Mann mit der Lizenz zum Schürfen

Eigentlich hätte Svenja Blunschi ihren Amethysten auch ersetzen können, ohne sich beim Kundendienst zu melden. Aber: «Ich habe gespürt, dass das nicht gehen würde – dass es mir um diesen Stein geht und er dort, wo er sich befand, vielleicht auch Probleme anstellen könnte», erinnert sie ich. «Auch ohne grosse Hoffnung auf eine erfolgreiche Bergung meines Gutes, habe ich mich schlussendlich entschieden, diese sehr spezielle Verlustmeldung aufzugeben und Sie über mein Missgeschick zu informieren.»

Der SOB-Kundendienst bringt Michael Gesiot ins Spiel. Der Fachspezialist Flottenmanagement ist Herr über die Toiletten in SOB-Zügen. Er kennt alle Statistiken und Geheimnisse rund um die Toiletten der Flotte (Lesen Sie hier mehr über ihn und die SOB-WC-Anlagen). Als der Traverso 113 wieder einen Stopp im Service-Zentrum Herisau einlegt, macht sich Michael auf die Suche.

Dank der guten Beschreibung der Kundin wird Michael rasch fündig. Die Grabung habe sich gelohnt, meldet Michael dem Kundendienst zurück und ergänzt seine E-Mail-Signatur mit den passenden Worten: «Der Mann mit der Lizenz zum Schürfen.» Svenja Blunschi freut sich darüber: «Ich fühle mich reich beschenkt, dass Sie meine seltsame, etwas peinliche und auch lustige Verlustmeldung so ernst genommen haben.»

Die Kundin hat Glück im Unglück: Nicht immer ist der Aufwand vertretbar, die Nadel im Heuhaufen zu suchen – geschweige denn sie überhaupt zu finden. Deshalb gilt im Zweifelsfall: Bewahren sie wertvolle Gegenstände beim Gang auf die Zugtoilette sicher auf. Die WC-Anlagen sind nämlich unerbittlich. Sie haben die Lizenz zum Spülen.

*Name auf Wunsch der Kundin geändert.

Text: Conradin Knabenhans
Bild: KI/Adobe Firefly

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