Eisige Herausforderungen, eifrige Einsatzbereitschaft

| Einblick

Wenn im Winter die Schneeflocken fallen, gibt es fast nichts Schöneres, als aus dem Zugfenster die Schneelandschaft zu bestaunen. Der Schnee sieht jedoch nicht nur schön aus, sondern bringt auch einige Herausforderungen für einen Bahnbetrieb. Ein Blick hinter die Kulissen des Winterdiensts zeigt, wie sich die SOB auf die kalte Jahreszeit vorbereitet und welche Massnahmen die Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Bereichen ergreifen, um einen möglichst reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.

Die Vorbereitungen auf den Winter starten bei der Südostbahn bereits im Herbst. Vor allem die Betriebsführung sowie die Instandhaltung der Fahrbahn und der Fahrzeuge stehen vor abwechslungsreichen Arbeiten. Die Betriebsführung steuert und überwacht den Zugverkehr auf dem SOB-Netz und ist für eine sichere und pünktliche Verkehrssteuerung verantwortlich. Um dies auch im Winter bei Schnee sicherstellen zu können, ist eine detaillierte Planung notwendig: «Am 1. November halten wir eine Besprechung mit allen Beteiligten ab, die bei Schneefall zum Einsatz kommen. Dort klären wir mit anderen Fachbereichen, wer für die Reinigung der Perrons verantwortlich ist und welche Mitarbeitenden bereitstehen, wenn es schneit», sagt René Megert, Leiter der Betriebsführung. Diese Planung dient besonders den Fahrgästen, denn damit wird sichergestellt, dass sie sicher ans Perron gelangen. Doch auch im technischen Bereich stehen einige Aufgaben an.

Heizungen für verschneite Weichen

Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Weichenheizungen. Sie sind dafür verantwortlich, dass der Schnee auf den Weichen schmilzt: «Das Praktische an den Weichenheizungen ist, dass sie sich automatisch einschalten, basierend auf Niederschlag und Temperatur», sagt René. Trotz automatischer Ein- und Ausschaltung der Heizungen müssen die Mitarbeitenden die Weichen genau prüfen. Denn wenn zu viel Schnee auf einer Weiche liegt und sie vereist, kann sie im schlimmsten Fall nicht mehr umgestellt werden: «Bei riesigen Mengen an Schnee ist es auch schon vorgekommen, dass die Weichen zusätzlich von den Mitarbeitenden freigeschaufelt werden mussten», erklärt René.

Dass der Rest der Fahrbahn bereit ist für den Winter, dafür sorgen die Teams der Instandhaltung Fahrbahn: «Wir bereiten uns auf den Winter vor, indem wir die Schneepflüge und Schneefräsen sorgfältig kontrollieren», sagt Albert Iten, Leiter Instandhaltung Fahrbahn Süd. Ausserdem sind jedem Bahnhof ein bis zwei Mitarbeitende zugeteilt, die für die Schneeräumung an den Perrons zuständig sind. Sie werden von den Fahrdienstleitern informiert, wenn sie ausrücken müssen. Der Schnee auf den Gleisen kann grösstenteils von den Zügen selbst entfernt werden, denn sie sind mit Schneeräumern ausgestattet. Es gibt aber auch Winter, da müssen die Mitarbeitenden der Instandhaltung Fahrbahn den Schnee zwischen den Schienen selbst heraus schaufeln, zum Beispiel wenn er zu hart wird. Dass die Gleise frei von Schnee sind, ist wichtig, da betriebsrelevante Schläuche unter den Zügen hinausragen. Wenn zu viel Schnee auf den Gleisen liegt, besteht die Gefahr, dass diese Schläuche abreissen.

Wintercheck der Betriebsnahen Instandhaltung

Nicht nur das SOB-Netz, auch die Züge selbst werden auf den Winter vorbereitet: «Wir haben ein Winterpaket. Das sind Massnahmen, die wir speziell im Winter ergreifen», sagt Patrick Berger, Leiter der Betriebsnahen Instandhaltung. Dabei überprüfen wir insbesondere die Heizungen, Lüftungen und die Sandbefüllung der Fahrzeuge. Heizungen sorgen im Winter für ein angenehmes Klima in den Zügen und müssen somit reibungslos funktionieren. Auch die Klimaanlagen sind wichtig, da die Innenräume der Züge im Winter besonders feucht sind. Die Fahrgäste bringen mit ihren Schuhen die Nässe in die Räume. Damit es angenehm trocken bleibt, entfeuchten die Klimaanlagen die Räume. Zusätzlich befüllt das Team der Betriebsnahen Instandhaltung die Sand-Tanke in den Fahrzeugen im Winter öfters als sonst. Eine im Zug installierte Sandmaschine spritzt Sand zwischen Rad und Schiene, um den Grip auch bei Nässe zu gewährleisten und das Durchdrehen der Räder beim Fahren zu verhindern. Mit diesem Wintercheck macht die SOB die Fahrzeuge also «winterfest».

Motivation trotz kalten Voraussetzungen

Eine gute Vorbereitung ist wichtig, aber auch die Arbeiten im Winter selbst sind anspruchsvoll. Die Schneeräumungsteams müssen bereit sein, jederzeit ausrücken zu können, wenn zu viele Flocken fallen. Dazu stehen die Mitarbeitenden auch mal um 4 Uhr morgens auf, um die Perrons freizumachen: «Bis 5.30 Uhr sollte das Gröbste geräumt sein, denn da beginnt der Stossverkehr, und die meisten Menschen steigen um diese Zeit in den Zug», erzählt Albert.

Die Arbeit an den Zügen ist im Winter nicht gerade angenehm. In den Service-Zentren, in denen die Züge gewartet werden, wird es schnell eisig kalt. Die grossen Tore, durch die die Züge einfahren, öffnen und schliessen sich immer wieder. Da geht ein ziemlich starker Luftzug. Wenn die Mitarbeitenden unter dem Zug Arbeiten erledigen müssen, tropft der schmelzende Schnee hinunter und sie stehen im Nassen. Da gibt es deutlich Gemütlicheres. Doch beklagt wird sich nicht: «Die Bereitschaft ist wirklich hoch. Es gab Winter, da wurde Tag und Nacht in der Kälte gearbeitet, doch die Mitarbeitenden waren trotzdem stets motiviert. Alle wollen ihre Arbeit so gut wie möglich erledigen», sagt Patrick.

Lieber geniessen statt sich ärgern

Die Mitarbeitenden der SOB setzen alles daran, die Fahrgäste auch im Winter gut an ihre Destinationen zu bringen. Dazu gehören Schneeräumungseinsätze an der Fahrbahn und den Perrons bei Tag und Nacht, Arbeiten an den Zügen in der Kälte und eine gute Planung. Doch auch die beste Vorbereitung schützt vor unvorhersehbaren Ereignissen nicht: «Die Natur kann unberechenbar sein. Wenn zum Beispiel ein Ast in die Fahrleitung fällt, dann können wir Schadensbegrenzung leisten, mehr aber auch nicht», sagt René. Solche Vorfälle können Verspätungen auslösen. In diesen Momenten bleibt es empfehlenswert, es sich im warmen Zug bequem zu machen, die malerische Winterlandschaft zu geniessen und daran zu denken, dass die Mitarbeitenden alles tun, was in ihrer Hand liegt, um den Bahnverkehr aufrechtzuerhalten oder den Zug so schnell wie möglich wieder ins Rollen zu bringen.

Text: Jil Rietmann
Bilder: SOB, Markus Schälli

nach oben