Bistro-Wartung nach Fahrplan

| Einblick

Ob Kaffee, Feierabendbier oder Snack zwischendurch: Im Bistro in den kupferfarbenen SOB-Zügen ist für jeden Geschmack etwas dabei. Dass die Automaten und der Kaffeebereich gereinigt und ausreichend gefüllt sind, verlangt einiges an Koordination – zwischen Herisau, Luzern und Chur.

Heute mache ich mich auf nach Herisau ins Service-Zentrum. Mein Ziel: Die Arbeiten rund um das Zug-Bistro näher kennenlernen. Ich betrete den Voralpen-Express in St. Gallen und komme beim Durchqueren des Zuges an der Bistro-Zone vorbei. Wie lange eine solche Befüllung wohl dauert? Und welche Produkte schaffen es ins Sortiment?

Hauptlager im Service-Zentrum Herisau

Kurze Zeit später stehe ich in einem Lagerraum im Service-Zentrum. Sorgfältig eingeordnete Kartons mit den unterschiedlichsten Snacks und Getränken stapeln sich hier. «Wir beginnen jeweils um 19 Uhr mit der Vorbereitung. An einem Abend reinigen und befüllen wir zwei bis drei Züge», sagt Daniel Küpfer, Leiter Service-Team bei der Selecta AG. Seit der Einführung der neuen SOB-Flotte betreibt die Südostbahn zusammen mit der Selecta AG die Bistro-Zonen. «Die Bahn-Bistros in den neuen SOB-Zügen waren für die Selecta AG ein Pilotprojekt. Anfangs waren die Abläufe bei der Befüllung herausfordernd und wir improvisierten oft, mit Routine haben wir jetzt ein tolles Angebot auf die Beine gestellt», betont Daniel.

Heute ist Mirjana Todorovic mit Daniel im Einsatz. Sie arbeitet in einem Teilzeitpensum bei der Selecta AG und reinigt und befüllt die Zug-Bistros. «Wir wissen vor dem Eintreffen der Züge nicht, welche Produkte wir nachfüllen müssen», sagt Mirjana.

Gemeinsame Sortimentgestaltung

«Wer bestimmt das Sortiment?», frage ich. Daniel meint, die Selecta AG habe einen Produktkatalog, woraus die Südostbahn ihre Snacks und Getränke auswähle. Dieses Sortiment wechsle von Zeit zu Zeit. Nimmt die Selecta beispielsweise ein Produkt aus dem Sortiment, bespricht die Selecta AG mit der SOB, welches Ersatzprodukt nachrückt. Die Südostbahn hat allerdings auch eigene Produkte (siehe am Ende des Artikels), die sie über die Bistros verkauft. Dazu zählen der Tessiner Risotto, das Fizzy-Getränk und die Traverso-Biere und -Weine. Die SOB eigenen Produkte bestellt jeweils die Abteilung Einkauf und lässt sie direkt in die Lager liefern, um die Selecta-Produkte kümmern sich die Selecta-Mitarbeitenden selbst.

In einer Stunde zum Ziel

Pünktlich um 21.20 Uhr rollt der erste kupferfarbene Zug ins Service-Zentrum. «Jetzt arbeiten wir unter Zeitdruck. Wir haben zirka eine Stunde Zeit pro Zug», sagt Mirjana. Sofort teilen sich die beiden auf die zwei Bistros auf. Ich beobachte, wie Mirjana mit der Reinigung des Kaffeemaschinenbereichs beginnt. «Hier machen wir zwei unterschiedliche Reinigungen. Heute steht der ‹Deep› an, den wir einmal monatlich ausführen», erklärt Mirjana. Sie reinigt die Einzelteile des Heissgetränkeautomaten gründlich. Zuletzt füllt sie Wasser, Becher, Kaffeerahm, Tees usw. auf. Dann widmet sich Mirjana dem Snack- und Getränkeautomaten. Zuerst kontrolliert Mirjana bei jedem Produkt das Ablaufdatum, bestückt die Reihe mit den fehlenden Produkten und platziert jene mit kürzeren Haltbarkeitsdaten vorne.

Zuletzt füllt sie den Vorratsschrank im Zug auf. «Sollte ein Produkt während einer Fahrt ausgehen, füllen die Kundenbegleiter/-innen sie nach», sagt Mirjana. Im Nu ist eine Stunde vergangen. Nachdem die Mitarbeitenden in der Instandhaltung ihre Arbeiten ebenfalls abgeschlossen haben, verlässt der Traverso das Service-Zentrum wieder, der nächste folgt sogleich.

Unterwegs im Zug

Unterwegs im Zug Wenige Tage später finde ich mich wieder am Gleis 4 in St. Gallen ein und betrete den Voralpen-Express in Richtung Luzern. Dieses Mal quere ich die Bistro-Zone mit einem anderen Blick. Ich weiss jetzt, was alles dahinter steckt.

Auch die SOB-Kundenbegleiterinnen und -Kundenbegleiter tragen zu einem sauberen und aufgefüllten Bistro bei. Sie füllen den Automaten sowie frisches Wasser in die Kaffeemaschine und reinigen den Bereich der Kaffeemaschine. Je nach Auslastung des Zuges bleibt dafür mehr oder weniger Zeit. Die Betreuung der Kundinnen und Kunden bleibt die wichtigste Aufgabe. «Wenn ich morgens im ersten Zug arbeite, beginne ich meist etwas früher mit den Aufgaben rund ums Bistro. So kann ich mich nach dem Losfahren auf meine Kundschaft konzentrieren», sagt SOB-Kundenbegleiterin Serap Leylek.

Zwischenhalt in Luzern

In Luzern angekommen, treffe ich mich erneut mit Daniel Küpfer. Ich begleite ihn und sein Team, Ulla Oertig und Eros Kastrati, bei einer Kurzwartung. «Hier kommen täglich 15 Traverso-Züge an. Ulla und Eros führen bei jedem Zug eine Kurzwartung der Bistros durch», erklärt Daniel. Neben dem Team in Luzern wartet auch in Chur ein Selecta-Mitarbeitender die Traverso-Züge. Die Mitarbeitenden an den Bahnhöfen arbeiten dabei jeweils von 6.30 Uhr bis 15.15 Uhr. Die Zeit für die Kurzwartung ist mit zirka zwölf Minuten pro Zug sehr knapp. Der Zug fährt ein, Eros und Ulla grüssen Serap und teilen sich auf. Sie beginnen mit dem Wasserwechsel der Kaffeemaschine, gefolgt von der Kurzreinigung des Heissgetränkeautomaten. Anschliessend füllen sie den Automaten und den Vorratsschrank auf. Dann verlässt der Zug den Bahnhof wieder. «Die Arbeitsschritte müssen sitzen. Einmal dachte ich, ich hätte noch Zeit. Dann schlossen sich die Türen, es ruckelte und der Zug fuhr los – mit mir drin: ‹Nächster Halt: Olten›», erzählt Ulla lachend. Daniel antwortet: «Ich sage immer, einmal muss man stecken bleiben. Mir passierte es in Chur.»

In den kurzen Zeiten, in denen kein Zug einfährt, gehen Ulla und Eros in ein Lager im Untergeschoss des Bahnhofs. Sie beladen ihre Füllwagen wieder mit neuen Produkten. Eros sagt: «Jetzt sind wir bereit für die nächsten Züge.»

Gemeinsam weiterkommen

Egal ob im Treno Gottardo, Aare Linth oder Voralpen-Express: Für Erfrischungen und Snacks während der Zugfahrt ist gesorgt. Daniel Küpfer sagt: «Die Zusammenarbeit zwischen der Selecta AG und der Südostbahn ist sehr gut. Wir haben uns gemeinsam entwickelt und wollen auch in Zukunft das Produkt Bahn-Bistro weiter voranbringen.» Daniel schaut auf die Uhr und muss los – der nächste Einsatz wartet bereits.

Text und Fotos: Jeannine Fisch, SOB

Gazzosa Fizzy – das Kultgetränk aus dem Tessin

Risotto und Polenta – Ticino Feeling zum nach Hause nehmen

Lavazza – italienisches Kaffeeerlebnis

Traverso-Bier

Vino Traverso

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